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02:15 26.09.2016
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Berlin

Internetfirmen aus Kalifornien neigen eigentlich nicht dazu, Gefahren im Internet überzubetonen. Sie halten Datenschutz noch immer oft für eine europäische Verzagtheit und Regulierungen im Netz für einen Angriff auf die Freiheit. Nach dem Hackerangriff auf eine halbe Milliarde Nutzerdaten von Yahoo allerdings gab sich eine der größten Internetfirmen der Welt gestern ungewohnt philosophisch. „Eine zunehmend vernetzte Welt hat zunehmend komplexe Bedrohungen hervorgebracht“, heißt es in einem Statement von Yahoo.

Tatsächlich ist der Angriff auf den E-Mail-Anbieter Ausdruck einer neuen Normalität. Während die Industrie fieberhaft daran arbeitet, jedes Auto und jeden Kühlschrank auf der Welt ans Netz anzuschließen, vagabundieren immer mehr Krimineller und Terroristen, aber auch Spione und Militärs mit ganzen Rechnerarmeen durch die Datenleitungen - auf der Suche nach neuen Einfallstoren. Mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen sind einer Umfrage zufolge im vergangenen Jahr Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Es gibt nahezu täglich irgendwo auf der Welt Angriffe auf Strom- und Wasserleitungen, Kraftwerke, Aktienmärkte und Autos.

Die allumfassende Vernetzung ist längst ein Sicherheitsproblem globalen Ausmaßes. Der amerikanische IT-Sicherheitsexperte Marc Goodman warnte kürzlich, das Internet erlebe zur Zeit jeden Tag einen „Cyber Pearl Harbor“.Auch für die Politik ist der Krieg im Netz brisant. Nach wiederholten Angriffen auf Computer von Bundestagsabgeordneten vermuten Experten, fremde Mächte könnten mit gestohlenen E-Mail-Nachrichten den Bundestagswahlkampf 2017 beeinflussen. Die Gefahr ist real.

Und auch die Bundeswehr mischt neuerdings mit im Cyberkrieg. Doch gerade weil die technische Kriegsführung die Hemmschwelle für Einsätze sinken lässt, braucht es strenge, nachprüfbare Regeln. Verdeckte Angriffe im Ausland gehören nicht zum Auftrag der Bundeswehr. Nicht in der realen Welt und auch nicht in der virtuellen. Der jetzt bekannt gewordene Cyberangriff in Afghanistan ist rechtlich höchst fragwürdig.

Die Regierung muss in die Cyberabwehr investieren. Es wird auch zukünftig nicht reichen, Computernutzer über sicheres Surfen aufzuklären. Zumal das „Internet der Dinge“ das Netz vom Computer abkoppelt und damit allgegenwärtig macht. Sicherlich muss jeder einzelne mehr auf seine Sicherheit im Netz achten. Schutzprogramme installieren, sichere Passwörter benutzen und beim Internetsurfen nicht allzu weit vom Pfad abzukommen. Auch sollte man sich bei aller Technikbegeisterung gut überlegen, welche Geräte tatsächlich mit dem Internet verbunden sein müssen. Doch das wird nicht reichen. Wenn ausländische Geheimdienste Unternehmen und Kundendatenbanken angreifen, dann muss der Staat dafür sorgen, dass das unterbleibt.

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