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Meinung Es geht nicht nur um Mathe
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20:06 29.11.2016
Hannover

Bis drei geht’s noch. Bis fünf auch. Aber danach wird es für manchen dann schon schwierig. Es gibt in Deutschlands sozial schwächeren Stadtteilen Erstklässler, die nicht bis zehn zählen können. Das kann der Schule niemand vorwerfen, das ist schlicht und ergreifend das Versäumnis von Eltern, denen Texte und Zahlen oft selbst ein größeres Rätsel sind. Die Schule aber schafft es nicht, diesen Bildungsrückstand in den nächsten Jahren wieder wettzumachen. Das ist das Problem.

Genau diese Unfähigkeit deutscher Grundschulen schlägt sich in der neuen TIMSS-Studie nieder. Für alle, die angesichts von IGLU, Pisa und anderen Bildungsberichten schon mal den Überblick verlieren: Der internationale Vergleichstest TIMSS hat den Anspruch, das Niveau der Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften zu messen.

Es gibt nicht wenige Lehrer und Politiker, die diese Fülle an Studien als „Testeritis“ belächeln – doch die liegen falsch. Natürlich ist es egal, ob Deutschland in Mathe 22 Punkte hinter Kasachstan und drei vor Schweden liegt. Wichtig sind hingegen die Schwachpunkte, die TIMSS offenlegt: Nur jeder zwanzigste Viertklässler ist in Mathe wirklich spitze. Fast jeder Vierte hingegen ist am Ende der Grundschule in Mathe nicht mal richtig fit für die weiterführende Schule. Kurzgefasst: Das Mittelfeld ist in Deutschland gut besetzt – aber oben und unten, bei den Leistungsstarken und den -schwächsten, gibt es ein Problem.

Wer sich bei Lehrern umhört, die in weniger begüterten Vierteln unterrichten, den wird dies nicht überraschen. Da ist vorschulische Förderung noch immer keine Selbstverständlichkeit, da kämpfen Lehrer wochenlang für die Finanzierung einer FSJ-Kraft für die Nachmittagsbetreuung, und die ersehnten Ganztagsschulen gleichen nach dem Essen viel zu oft besseren Verwahranstalten statt Heimstätten progressiver pädagogischer Konzepte.

Immer häufiger sehen sich Lehrer Schülern gegenüber, die von zu Hause aus nur eine sehr überschaubare Portion Bildungsehrgeiz mit auf den Weg bekommen – und selbst die engagiertesten Kräfte geraten angesichts von Ganztagsbürokratie und schwierigen sozialen Verhältnissen ihrer Schützlinge bei der individuellen Förderung der Schüler leicht an ihre Grenzen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat am Montag eine Initiative zur Förderung von Spitzenschülern vorgestellt. Oben will sie also etwas tun. Das ist richtig. Das weit größere Problem lässt diese Initiative jedoch unberührt: die Abhängigkeit der Bildungschancen von der Herkunft. Deutschland wird weit mehr in seine Grundschulen investieren müssen, um daran etwas zu ändern – und das nächste Mal vielleicht auch bei TIMSS wieder ein bisschen weiter vorne zu landen. Es geht da um weit mehr als um Mathe und Physik.

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