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Auf dem Weg zum Frieden in Syrien

Analyse Auf dem Weg zum Frieden in Syrien

Die Fluchtursachen müssen bekämpft werden - wenn dieser Satz ausgesprochen wird mit Blick auf die Lage in Syrien, nickt die ganze Welt. Doch was heißt das praktisch? Eine Analyse von Martin Gehlen.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob sich endlich diplomatisch etwas bewegen lässt in diesem festgefahrenen Großkonflikt. Kurz vor Weihnachten trifft sich die Syrien-Konferenz zum dritten Mal, diesmal in New York. Es wird höchste Zeit, dass Bewegung ins Spiel kommt: Fünf Jahre hat der Bürgerkrieg bislang gedauert, er hat 250 000 Menschen das Leben gekostet und zwölf Millionen zur Flucht bewegt.

Wenn alles gut geht, könnte bereits Anfang Januar zumindest ein international vereinbarter Waffenstillstand zwischen dem Assad-Regime und den nicht islamistischen Rebellen in Kraft treten. Dann wären zwar noch nicht die Mordbanden des „Islamischen Staats“ besiegt. Aber es wäre ein erster, sehr wichtiger Schritt zur Klärung der Dinge: Die internationale Gemeinschaft könnte sich von da an auf die Bekämpfung des gemeinsamen Feinds konzentrieren.

Die Bereitschaft zum Handeln ist rundum gewachsen. Der „Islamische Staat“ wird mehr denn je als konkrete, gegenwärtige Gefahr gesehen, in Europa, in Russland und in den USA. Nach Frankreich und Großbritannien wird jetzt sogar Deutschland erstmals an einer Militäraktion im Nahen Osten beteiligt sein. Es geht inzwischen um mehr als nur um die Eindämmung eines Risikos. US-Präsident Barack Obama sagte in dieser Woche, er wolle den IS „zerstören“. Er sagte nicht „bekämpfen“.

Viel wird jetzt über die Rolle Russlands spekuliert. Moskau scheint es zu gefallen, vom Westen auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Allerdings ahnt auch Wladimir Putin, dass er den Diktator Bashar al-Assad nicht mehr lange wird stützen können. Im Gegenteil: Wenn die Russen dem Westen in nächster Zeit entgegenkommen, können sie vielleicht ihre geostrategischen Interessen in Syrien umso besser wahren.

Die diplomatischen Drähte glühen, Washington und Moskau nähern sich an. Assad wird wohl bald von Putin geopfert. Das Verhältnis Putins zu dem Machthaber in Damaskus galt nie als sonderlich eng. Bei seiner spektakulären 24-Stunden-Visite im Kreml vor sechs Wochen wirkte Assad mehr einbestellt als eingeladen. Putin hat keinerlei Ambitionen, seinen schwächelnden syrischen Verbündeten künftig über Jahre hinweg mit russischen Truppen militärisch auf den Beinen zu halten. Und so werden der Kreml und das Weiße Haus am Ende noch über ein paar Monate hin oder her für Assad reden, das politische Ende des syrischen Schlächters jedoch scheint besiegelt. Was aber folgt dann? Die Sicherung des Friedens nach einem Bürgerkrieg kann, politisch wie militärisch, ganz neue Herausforderungen mit sich bringen. Europa, USA und Russland werden sich von Syrien so bald nicht mehr abwenden können.

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