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Baustellenchaos? Es wird alles noch schlimmer!

Kommentar Baustellenchaos? Es wird alles noch schlimmer!

Gesperrte Strecken, überlastete Umleitungen: Hannover ächzt derzeit unter der Vielzahl an Straßenbaustellen. Da tröstet es wenig, dass der Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist. Trotzdem hat die Bauwut auch ihr Gutes, meint Conrad von Meding.

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Die Baustelle am Lindener Markt. 

Quelle: Elsner

Hannover. Es nervt wirklich. Nicht nur, dass Linden und Kirchrode derzeit mit einer Häufung von Straßenbaustellen so gebeutelt sind, dass man eigentlich nirgendwo mehr zügig durchkommt. Auch an (fast) allen anderen Ecken der Stadt wird gebaut. An der Stadionbrücke: Spursperrungen wegen Gleisbauarbeiten. In Ricklingen: Dauerbaustelle wegen der B-3-Erneuerung Richtung Hemmingen. In Bothfeld: Das Land saniert die Autobahnauffahrt, während zugleich auf der Autobahn eine 11-Kilometer-Baustelle täglich für Staus sorgt und jetzt die wichtigste Umleitung entfällt. Die Hildesheimer Straße ist wegen der Arbeiten am Südschnellweg verengt. Und am schlimmsten ist es in der Innenstadt, wo wegen der oberirdischen Stadtbahnerneuerung überall Sperrungen bestehen. Es nervt wirklich.

Und nicht nur die Autofahrer, die täglich nervös auf die Lenkräder trommeln, weil es zu Stoßzeiten nicht vorangeht. Radfahrer und Fußgänger sind in Kirchrode gebeutelt, weil wegen der Arbeiten an Bahnbrücken auch für sie Verbindungen gesperrt sind – seit Monaten schon. Buskunden von Regiobus und Üstra leiden seit Wochen, weil die Sperrungen am ZOB und in der Goethestraße alle Fahrpläne durcheinanderbringen. Und Stadtbahnkunden auf den Linien 3, 7, 5, 17 werden sich ab der kommenden Woche ärgern, wenn wegen zusätzlicher Gleisbauarbeiten komplette Verbindungen entfallen oder nur noch eingeschränkt bedient werden. Es nervt wirklich.

Niemand soll erzählen, diese Häufung von Baustellen sei alternativlos. Man hätte die Maßnahmen deutlich stärker entzerren können. Dann wären nicht nur die gebeutelt, die in den Sommerferien daheim geblieben sind, man hätte die Last auf mehr Verkehrsteilnehmer verteilt. Sinnvoll allerdings wäre das sicherlich nicht. Die Konzentration auf die Sommerferien ist zwar strapaziös, hat sich aber bewährt. Die Strategie, die großen Straßenbaumaßnahmen in den großen Ferien anzugehen, wenn nur halb so viel Verkehr rollt wie sonst, gibt es ja nicht exklusiv in Hannover. Zahlreiche Großstädte verfahren so. Man möchte sich nicht vorstellen, was auf den Straßen los wäre, wenn all die derzeitigen Dauer- und Kurzzeitbaustellen während der Schulzeit abgewickelt würden.

Manche Baustelle ist schlicht ärgerlich. Die aktuelle am Schwarzen Bären etwa wäre nicht nötig, wenn die Stadt bei der Brückenerneuerung 2013 nicht Radwegmurks gemacht hätte, der jetzt behoben werden muss. Insgesamt aber darf man erinnern: Durch die Baustellen entsteht Gutes in Hannover. Dahingestellt, ob der oberirdische Ausbau der Stadtbahntrasse in der jetzt beschlossenen Form ein guter oder ein schlechter Kompromiss ist, so dienen die Arbeiten doch durchweg dazu, die Infrastruktur instandzuhalten und zu erneuern.

Leider ist der Spuk noch lange nicht vorbei. Im kommenden Jahr, das ist schon jetzt absehbar, wird alles noch schlimmer. Dann wird wegen des Stadtbahnbaus in der Innenstadt die Münzstraße, zentrale Verbindung am Steintor, für lange Zeit ein Dauerengpass, während zeitgleich auf der anderen Seite der Innenstadt die Königstraße wegen der Bahnbrückenerneuerung komplett gesperrt wird. Zusätzlich stehen, weil Bund und Land bei der Unterhaltung geschlampt haben, noch etliche Brückensanierungen auf dem Süd-, West und Messeschnellweg bevor. Niemand soll denken, dass die Bauwut nach diesem Baustellensommer ein Ende hat. Eigentlich geht es damit gerade erst richtig los.     

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