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Beschämend wenig

Heinrich Thies über Heimkinder Beschämend wenig

Sie wurden geschlagen, gedemütigt, missbraucht und ausgebeutet – und zwar von denen, die vorgaben, ihnen zu helfen. Was wehrlose Kinder in deutschen Heimen während der fünfziger und sechziger Jahre erlitten haben, übersteigt die Vorstellungskraft.

Der Umgang damit ist von einem Maß an Heuchelei geprägt, das sprachlos macht. Es ist gut, dass dies endlich von den Rechtsnachfolgern der kirchlichen und staatlichen Heime anerkannt wird. Beschämend niedrig dagegen ist die am runden Tisch vereinbarte Entschädigungssumme. Ein mehr symbolischer Betrag.

Es ist verständlich, dass die früheren Heimkinder über dieses Resultat ihrer langjährigen Bemühungen enttäuscht sind. 2000 bis 3000 Euro für Jahre der Erniedrigung – das ist zu wenig. Hinzu kommt, dass der Begriff der „Zwangsarbeit“ in der Vereinbarung fehlt, sodass die Heimkinder von einst keinen Anspruch darauf haben, die ihnen abverlangte Arbeit in der Landwirtschaft, in Handwerksbetrieben oder der Industrie für ihre Rente angerechnet zu bekommen. Dabei hätten viele eine solche Rentenaufstockung dringend nötig.

Nun stehen die Betroffenen wieder am Ausgangspunkt: Sie müssen nachweisen, welches Leid ihnen in ihrem Einzelfall widerfahren ist – und darauf hoffen, dass ihnen geglaubt wird. Es ist nachvollziehbar, wie quälend diese Vorstellung für Menschen ist, die in der Vergangenheit eben auch darunter gelitten haben, dass ihnen nicht geglaubt wurde.

Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass nicht alle Heimzöglinge gleich schlecht behandelt wurden. Doch die Beweislast sollte nicht den Opfern aufgebürdet werden. Die schlimmen Zustände in den meisten Erziehungsheimen sind mittlerweile überzeugend dokumentiert. Wer in den bekannten Horroreinrichtungen interniert war, hat Anspruch auf Wiedergutmachung – eine Grundentschädigung ohne entwürdigende Bittgänge.

Heinrich Thies

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