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Meinung Conrad von Meding über das Hochwasser
Nachrichten Meinung Conrad von Meding über das Hochwasser
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10:03 01.06.2013

Das soll Hochwasserschutz sein? Gut 30 Millionen Euro investiert Hannover in vorbeugende Maßnahmen gegen Jahrhundertfluten – und kaum kommt die erste Welle angerollt, da steht am Ihme-Zentrum das gesamte Glockseeufer unter Wasser. Haben da die Planer versagt? Nein, haben sie nicht. Denn genau so wollten sie es. Obwohl es schon ein bisschen putzig aussieht, wie die frisch montierten Bänke jetzt aus dem Wasser ragen, die neu gepflanzten Bäumchen sich im Strom wiegen, der mit Betonmauern terrassierte Boden unter einer braunen Wassermasse verschwunden ist.

Dass ein Hochwasser aber nicht putzig, sondern hochgefährlich ist, das zeigt das tragische Schicksal der Ertrunkenen, die am Donnerstag zwischen Stöcken und Seelze versucht hat, eine geflutete Straße per Fahrrad zu überqueren. Sie hat für den Leichtsinn mit dem Leben bezahlt. Hochwasser sind Naturgewalten, denen man sich besser nicht entgegenstellt.

Ganz unschuldig sind wir Menschen an den Auswirkungen dieser Naturgewalten allerdings nicht. Wir begradigen Flüsse, bauen Deiche und Stauwehre  – und in 50 von 52 Wochen im Jahr läuft alles prima. Nur wenn dann der Regen plötzlich in Massen fällt, nimmt sich das Wasser mit Gewalt seinen Raum.

Früher gab es regelrechte Dorfkriege wegen Hochwasser – wovon in Hannover der Wasserfehdeweg am Schnellen Graben zeugt. Heute sind die Folgen meist weniger dramatisch. Wenn die Pegelstände gestiegen sind (was trotz immer besserer Technik irgendwie immer überraschend zu kommen scheint), dann schließen die Ricklinger ihr Deichtor zu, und die Neustädter Bauern retten noch schnell ihre Kühe von den Weiden. Und wenn ein Hemminger Senior unbedingt versuchen muss,  sein Auto über die geflutete Brückstraße zu manövrieren, müssen die Dorfjugendlichen zur spontanen Rettungsaktion antreten. Eigentlich müssten alle wissen, dass man nicht über gesperrte Straßen fahren sollte. Aber der Mensch neigt eben oft dazu, Warnungen nicht ernst zu nehmen, bis die Katastrophe da ist.

Die Stadt Hannover dagegen agierte vorbildlich und vorausschauend. Vor sieben Jahren haben Rat und Verwaltung gegen viel Widerstand alle Planungen auf den Weg gebracht für das 30-Millionen-Paket zum Hochwasserschutz. Die Benno-Ohnesorg-Brücke am Capitol ist seither verbreitert worden – der fast 100 Jahre alte Engpass in der Ihme war mitverantwortlich für dramatische Überschwemmungen in Ricklingen und Hemmingen, weil sich das Wasser regelmäßig zurückstaute. Die frisch ausgebaggerten Ihme-Terrassen, von Gegnern stets als Calenberger Loch apostrophiert, bieten jetzt im Überschwemmungsfall reichlich Raum für Wasser und puffern damit die schlimmsten Pegelspitzen ab. Und wenn alles nach Plan verläuft, dann wird noch in diesem Jahr der Deich in Ricklingen verlängert, damit die Fluten sich auch nicht mehr südlich vom Deichtor den Weg ins alte Dorf bahnen können. Das alles ist gut und sinnvoll.

Wer glaubt, dass damit genug getan ist, der wird sich wohl täuschen. Die bisherigen Projekte dienen nur dazu, Hochwasser abzumildern, wie sie statistisch alle 100 Jahre vorkommen. Doch die Fachleute brüten schon über Plänen zum sogenannten 200-jährigen Hochwasser.
Bisher hat Hannovers Stadtregierung stets beklagt, dass das Land sie finanziell und organisatorisch alleine lässt beim Hochwasserschutz. Inzwischen ist das einstige Stadtoberhaupt Ministerpräsident. Stephan Weil kann jetzt zeigen, ob es ihm vor Jahren ernst war mit seiner Kritik am Land – und kann Hannover und den Umlandgemeinden helfen, sich gegen die Gefahren künftiger Hochwasser zu schützen. Denn so viel steht fest: Die Zahl der Starkregenereignisse wird zunehmen in den nächsten Jahren. Und mit ihnen die Gefahren von überfluteten Kellern, unpassierbaren Straßen und Gefahren für Menschenleben.

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