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Das Dorf, ein Glück

Analyse Das Dorf, ein Glück

 Viele Dörfer im Land haben Ideen, von denen andere lernen können. Sie zeigen, wie sich etwa die Einwohnerzahl steigern lässt und wie sich Landfrust in Lebensqualität wandeln kann. Und sie können sogar Vorbild bei der Integration von Flüchtlingen sein. Eine Analyse von Gabriele Schulte.

Die Behauptung ist nicht ohne. „Unser Dorf hat Zukunft“, sagen die Teilnehmer eines Landeswettbewerbs, die sich in den kommenden drei Wochen einer kritischen Jury stellen. Heute macht sie sich mit Treckern auf den Weg durch niedersächsische Ortschaften. Dörfer mit Zukunft - trotz Landflucht und gerade wieder dramatisch sinkender Einnahmen der Bauern? Geht es da nicht um ein „Landlust“-Klischee, das immer weniger mit dem realen Leben zu tun hat?

Von wegen. Viele Dörfer im Land haben Ideen, von denen andere lernen können. Sie zeigen, wie sich etwa die Einwohnerzahl steigern lässt und wie sich Landfrust in Lebensqualität wandeln kann. Und sie können sogar Vorbild bei der Integration von Flüchtlingen sein. Die Verödung von Dörfern ist nicht naturgegeben. Die 18 Finalisten des Landeswettbewerbs stemmen sich mit Elan dagegen. Und mit Erfolg.

Die Zeiten von „Unser Dorf soll schöner werden“, als es auf den äußeren Schein ankam, sind zum Glück vorbei. Die Juroren blicken nicht mehr auf akkurate Beete und Bürgersteige, sondern auf die Zukunftstauglichkeit des Dorflebens. Die Wege dahin können sehr unterschiedlich sein. Doch in jedem Fall darf ein Dorf mit Zukunft keine bloße Schlafstätte für Pendler sein. Gefragt sind Dörfer zum Leben - wo die Bewohner neben Natur und Ruhe auch gute Nachbarschaft genießen.

Ottenstein im Weserbergland, heute erstes Ziel der Jury-Tour, ist mit einer werbewirksamen Kampagne vorgeprescht: Der Bürgermeister des abgelegenen Ortes bietet jungen Familien Gratisgrundstücke an. Zukunftsweisender allerdings ist es, Leerstand im Dorfkern zu verhindern, statt am Rand gesichtslose Baugebiete auszuweisen. Wo Altbauten nur noch abgerissen werden können, kommt es darauf an, Neubauten auf den frei gewordenen Flächen ans Ortsbild anzupassen. Siegern vergangener Dorfwettbewerbe ist das gelungen. Sie beweisen auch, dass ein Dorf selbst ohne Geschäfte, fern großer Städte und Autobahnen Neubürger anziehen kann.

Solche Dörfer gleichen die Nachteile durch lebendige Gemeinschaft aus, die Bewohner helfen einander mit Fahr- und Freiwilligendiensten, engagieren sich für ihr Freibad, planen und feiern gemeinsam. Bei aller Traditionspflege sind Zugezogene, auch Flüchtlinge, nicht nur herzlich willkommen. Sie haben hier die Chance, die Dorfentwicklung mitzugestalten. „Unser Dorf hat Zukunft“ bietet dazu Gelegenheit. Ein Glück für Niedersachsen.

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