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Das Klima ist noch nicht gerettet

Analyse zum Weltklimavertrag Das Klima ist noch nicht gerettet

Endlich ein Erfolg. Wenn man die Pariser Weltklimakonferenz mit ihren desaströsen Vorgängern vergleicht, dann muss man anerkennen, dass der Klimaschutz soeben ein großes Stück weitergekommen ist. Doch das Klima ist noch nicht gerettet. Ein Kommentar von Ralf Volke.

Es gibt einen Vertrag, und er bindet alle Staaten ein. Das im Jahr 2012 ausgelaufene Kyoto-Protokoll hatte nur die traditionellen Industriestaaten zum Klimaschutz verpflichtet, während sich große Verschmutzer wie China und Indien zurücklehnen durften. Das ist nun glücklicherweise anders. Ein Erfolg ist auch die Benennung eines Erwärmungsziels von weniger als zwei Grad.

Doch das, was jetzt auf dem Tisch liegt, wird noch immer zu einem Temperaturanstieg von 2,7 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts führen - mindestens. In Paris wurde zwar ein ambitioniertes Ziel beschlossen, nicht aber der logische Weg dorthin: die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. Der etwas unhandliche Begriff beschreibt eine Energieversorgung ohne Kohlenstoff. Nur wenn wir uns von kohlenstoffhaltigen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas verabschieden, wird es möglich sein, den Klimawandel auf ein halbwegs beherrschbares Maß zu begrenzen.

Dass eine kohlenstofffreie Wirtschaftsweise möglich ist, rückte im Juni ins Bewusstsein. Beim G-7-Gipfel in Elmau überzeugte Kanzlerin Angela Merkel ihre Kollegen, ein Bekenntnis zur Dekarbonisierung abzulegen. Künftig, so der Gedanke, sollte es sich jeder Investor gut überlegen, ob er in eine Energie investieren will, die vom Markt verschwinden sollte. Das war eine gute Nachricht für das Klima.

Doch in den Weltklimavertrag schaffte es das Bekenntnis zur Dekarbonisierung nicht - es wurde im letzten Moment wieder herausgestrichen. Das ist eine schlechte Nachricht für das Klima. Es ist der Preis, den die Konferenz zahlte, um alle Staaten zur Unterschrift zu bewegen - auch jene, deren Geschäftsmodell, wie etwa im Fall Saudi-Arabiens, auf dem Ausstoß von Klimakillern beruht.

Die Frage, was Paris tatsächlich bewirkt, kann erst im Laufe der nächsten Jahre beantwortet werden. Einige Nationen planen bereits beeindruckende Wiederaufforstungsprogramme, in anderen dagegen rüsten schon die Gegner des Pariser Vertrags zum Gegenschlag, die US-Republikaner zum Beispiel. Auch mit dem Pariser Vertrag als neuem Rahmen bleibt es dabei: Bessere Aussichten für kommende Generationen müssen mühsam erarbeitet werden, Jahr für Jahr.

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