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Meinung In welchen Stadtteilen gibt es die meiste Kriminalität?
Nachrichten Meinung In welchen Stadtteilen gibt es die meiste Kriminalität?
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00:15 09.08.2016
Von Tobias Morchner
Warum geht die Polizei nicht ähnlich offensiv mit der Kriminalität um wie Hamburg oder Berlin, die längst die stadtteilbezogene Kriminalstatistik haben? Quelle: Symbolfoto

In den Wochen vor dem Jahreswechsel 2012/2013 liefen im Dezernat Kriminalitätsbekämpfung und Prävention der Polizeidirektion Hannover die Rechner heiß. Der damalige Behördenleiter Uwe Binias (CDU) hatte einen historischen Schritt angekündigt: Erstmals in der Geschichte der Polizeidirektion sollte die jährliche Kriminalstatistik für die Landeshauptstadt auf jeden einzelnen Stadtteil heruntergebrochen veröffentlicht werden.

Die Mitarbeiter der Analysestelle des Dezernats 11 machten sich also an die Arbeit, die Zahlen und Daten über die Entwicklung aller Verbrechen in der Stadt und dem Umland in die neue Form zu gießen. Doch nach den Landtagswahlen im Januar 2013, dem Regierungswechsel und dem Austausch des zu diesem Zeitpunkt amtierenden Polizeipräsidenten Axel Brockmann wurden die Weichen anders gestellt. Die Kriminalstatistik erschien im Frühjahr 2013 in ihrer gewohnten Form - ohne die genaue Aufschlüsselung nach Stadtteilen. Später ging Brockmann für die CDU ins Rennen um den Posten des Regionspräsidenten und gewann beinahe.

Was also hat Hannover zu verbergen?

Der Blick in die Vergangenheit macht eins deutlich: Es ist durchaus machbar, die statistischen Werte für alle Verbrechen im Zuständigkeitsbereich der hannoverschen Behörde nach Stadtteilen aufzuschlüsseln. Die aktuelle Forderung der CDU in ihrem Programm für die Kommunalwahl ist also nicht aus der Luft gegriffen. Es müsste auch - anders als die SPD befürchtet - kein einziger Beamter vorübergehend von der Straße in den Innendienst versetzt werden, um die Herausforderung zu meistern. Es gibt innerhalb der Behörde bereits die Spezialisten für diesen Bereich.

Was also hat Hannover zu verbergen? Warum geht die Polizei nicht ähnlich offensiv und souverän mit der Kriminalität um wie Hamburg oder Berlin, die längst die stadtteilbezogene Kriminalstatistik haben und damit gut fahren?

Die hannoversche Polizei leistet gute Arbeit - das steht nicht zur Debatte. Die Beamten sind an Brennpunkten präsent, die Aufklärungsquote ist gut, sie sichern immer mehr Großveranstaltungen wie die Special Olympics oder den Besuch des amerikanischen Präsidenten und sind stets Ansprechpartner für die Bürger. Dennoch wird die Behörde nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Ursachen für viele Verbrechen vielfältig und nicht mehr allein mit polizeilichen Mitteln zu lösen sind. Stattdessen spielen auch soziale Strukturen eine Rolle, mitunter auch städteplanerische oder architektonische Aspekte. Ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz sei gefragt, heißt es oft. Das gilt insbesondere für Gewalttaten, Wohnungseinbrüche, Autoaufbrüche, Straßenraub - Delikte also, bei denen die Opfer zum Teil lange Zeit unter den psychischen Auswirkungen der Tat zu leiden haben und die das subjektive Sicherheitsgefühl beeinflussen.

Kriminalstatistik könnte helfen, Vorurteile abzubauen

Die Veröffentlichung von Stadtteil-Kriminalitätsstatistiken würde die Probleme in einem Bezirk genau und detailliert benennen: So entstünde eine Grundlage, auf der Schulen, Kirchen, Sportvereine, Jugendzentren, die Ortsgruppen der Parteien und andere Einrichtungen in einem Stadtteil gemeinsam mit der Polizei die Ursachen für die Kriminalität vor Ort erfolgreich bekämpfen könnten.

Eine kleinteiligere Kriminalstatistik hätte möglicherweise noch einen weiteren Vorteil: Sie könnte unter Umständen dabei helfen, Vorurteile gegenüber bestimmten Stadtteilen abzubauen. Vielleicht sind die Zahlen in Vahrenheide gar nicht so dramatisch, wie viele immer glauben. Möglicherweise sind die Probleme in der List größer, als bislang angenommen. Allein: Wir wissen es nicht. Denn um das zu erfahren, müsste die Polizei endlich belastbare Zahlen vorliegen. Niemand braucht vor ihnen Angst zu haben. Denn Hannover hat nichts zu verbergen.

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