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Der Albtraum 
auf der Schiene

Kommentar Der Albtraum 
auf der Schiene

Nach dem schweren Bahnunglück von Bad Aibling stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Dass Bahnkunden auf Pünktlichkeit bestehen und auf dem Mitarbeitern in Stellwerken und anderswo gewaltiger Druck, lastet ist die tiefere Ursache für das Unglück. Ein Kommentar von Stefanie Gollasch.

Der 9. Februar 2016 sollte für die Bahn eigentlich ein guter Tag werden. Aus dem Bahntower in Berlin wurde morgens eine positive Nachricht verbreitet: Anschlusszüge sollen künftig auch bei Verspätungen öfter erreicht werden. Außerdem werden die Fahrpläne mit intelligenter verteilten Zeitpuffern versehen, damit auch bei kleineren Störungen alles rundläuft. Doch an diesem verhängnisvollen Dienstag interessierte sich niemand für die Pünktlichkeit der Bahn. Eine andere Frage schob sich in den Vordergrund: Wie sicher ist das Bahnfahren?

Der Albtraum schlechthin ist bei Bad Aibling wahr geworden. Auf einer eingleisigen Strecke fahren zwei Züge aufeinander zu, die Lokführer sehen wegen einer Kurve erst in letzter Sekunde, dass sie in den Tod rasen. Welche verhängnisvollen Umstände dazu geführt haben, dass diese Geisterfahrt trotz hochmoderner Sicherungstechnik möglich war, wird nun untersucht.

Am Ende wird man einen oder mehrere Verursacher ausfindig gemacht haben und ein weiteres Mal zu der Erkenntnis gelangt sein: Absolute Sicherheit gibt es nirgends. Mit dieser Gewissheit sind auch am Tag nach dem Unglück wieder Hunderttausende in Züge gestiegen. Aber für viele ist Bahnfahren alternativlos, und nach wie vor ist es statistisch gesehen immer noch viel sicherer als Autofahren: Das Risiko, bei einem Autounfall zu sterben, ist 63-mal so hoch wie die Gefahr, bei einem Bahnunglück ums Leben zu kommen.

Unter dem Eindruck einer Katastrophe wie der in Oberbayern helfen Zahlen freilich wenig, der ungute Eindruck, dass ein einziger Fehlgriff, ein einziges falsches Signal die Illusion von Sicherheit zerstören kann, überwiegt. Im Grunde weiß das jeder, für gewöhnlich wird es aber verdrängt.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere, der in den nächsten Wochen schimpfend auf einen verspäteten Zug wartet, aber doch noch mal an die Tragödie von Bad Aibling. Denn vieles spricht dafür, dass das Bemühen um Pünktlichkeit die tiefere Ursache für das Unglück war. Rund 40 000 Züge fahren jeden Tag durch Deutschland, müssen koordiniert und dirigiert werden. Der Fahrplan soll eingehalten werden, und die Mitarbeiter in den Stellwerken und anderswo stehen unter enormem Druck. Diesen übt jedoch nicht nur die Bahn selbst aus. Dass wir Bahnkunden mit unserem Bestehen auf Pünktlichkeit dazu beitragen, ist auch ein Teil der Wahrheit.

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