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Meinung Der Diesel ist
 nicht der Feind
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 nicht der Feind
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02:15 04.03.2016
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Eine skurrile Debatte ist da in Gang gekommen in den vergangenen Wochen. Politiker, die Handlungsfähigkeit dokumentieren wollen, erklären den Dieselmotor nach dem VW-Skandal zum Quell aller Umweltverschmutzung. Gleichzeitig sehen sie den ganzen Automobilstandort in Gefahr, weil auf unseren Straßen so wenige Elektromobile unterwegs sind. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – Dienstwagen: ein Audi A8 quattro mit Drei-Liter-Turbodiesel und 258 PS – setzt dem Ganzen die Krone auf. Nun proklamiert sie, die Dieselfahrer könnten doch über eine höhere Besteuerung ihres Kraftstoffs die Subventionen für Elektroautos finanzieren. Das würde nicht nur etwa die Hälfte der Bevölkerung gegen sie aufbringen – denn so hoch ist der Dieselanteil im Land –, es wäre auch umweltpolitisch kompletter Unsinn.

Noch ist der Selbstzünder nämlich die klimaschonendste Alternative unter den Verbrennungsmotoren – weil er in der Regel weniger verbraucht als vergleichbare Benziner. Deshalb wird der Kraftstoff ja auch niedriger besteuert – während für die Fahrzeuge höhere Abgaben fällig werden. Für die europäischen Umweltpolitiker stand immer die Minimierung des CO2-Ausstoßes im Vordergrund. Die Grenzwerte für Ruß und Stickoxide liegen dagegen höher als etwa in den USA – weil man sich für eine Zielgröße entscheiden muss, will man die Naturgesetze nicht aus den Angeln heben.

Das Grundproblem von Hendricks’ Vorstoß ist aber, dass damit eine Konkurrenz von Antriebsarten erzeugt wird, die niemandem recht sein kann. Elektroautos sind bis heute nicht ohne Grund kaum auf den heimischen Straßen zu finden. Denn die angeblichen deutschen Autofreaks entscheiden beim Kauf rationaler, als es ihnen immer nachgesagt wird. Elektroautos sind derzeit deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner, bieten dafür aber weniger (Reichweite). An diesem Missverhältnis ändert auch eine Kaufprämie nichts. Sie würde lediglich Mitnahmeeffekte auslösen und einen Markt künstlich verzerren, der sich ohnehin gerade wandelt wie wahrscheinlich noch nie seit der Erfindung des Automobils.

Der Diesel gehört zur deutschen Spitzentechnologie. In der Smog-Hochburg Peking, umschrieb es neulich Conti-Chef Elmar Degenhart, reinigt ein Euro-VI-Selbstzünder sogar die Luft. Aber mit jeder neuen Generation wird es schwieriger, spürbare Effizienzverbesserungen zu erzielen. Der Diesel ist eine klassische Brückentechnologie. Sein Ende ist absehbar, aber noch brauchen wir ihn – auch, weil die Elektromobilität noch nicht die technischen Fortschritte geliefert hat, die alle von ihr erwarten. Frühestens mit der nächsten Batteriegeneration werden die Stromer bei den Preisen mithalten können. Wichtiger als eine Kaufprämie wäre ein ordentlicher Ausbau der Ladeinfrastruktur – um für den Zeitpunkt gerüstet zu sein, wenn sich die Technologie in der Breite durchsetzt. Und etwas mehr Geduld.

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