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Der falsche Ort für Flüchtlinge

Waterlooplatz Der falsche Ort für Flüchtlinge

Kommende Woche sollen die ersten Flüchtlinge auf den Waterlooplatz ziehen. Klug ist das nicht. Der Standort wird immer ein Problem bleiben – für die Bewohner wie für die Sicherheitskräfte, meint Andreas Schinkel.

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Quelle: Alexander Körner

Die Stadtverwaltung hat vieles richtig gemacht, als Ende vergangenen Jahres immer mehr Flüchtlinge nach Hannover strömten. Sie hat sich zu Recht über manchen Bürgerprotest gegen den Bau von Unterkünften hinweggesetzt - doch beim Waterlooplatz liegt sie falsch. Auf dem verkehrsumtosten Platz leben zu müssen ist eine Zumutung für die Menschen, die dort wohnen sollen. Zugleich ist die Einrichtung eine vermeidbare Zusatzkomplikation für Polizei und Sicherheitsdienste. Letztlich geht es der SPD im Bezirk Mitte, die den Standort vorgeschlagen hat, um Symbolpolitik: Auch die Innenstadt solle ihren Teil zur „Willkommenskultur“ beitragen. Eine Symbolpolitik zulasten der Menschen.

Es ist kein Zufall, dass die Stadt lange nach einem Betreiber für das Containerdorf suchen musste. Sowohl das Deutsche Rotes Kreuz als auch Johanniter und kommerzielle Betreiber haben sich geziert, den Betrieb zu übernehmen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Unterkunft liegt in der Nähe von Stadion und Schützenplatz, Orten für Massenveranstaltungen, die auch eine problematische Klientel anziehen. Welche Gewaltbereitschaft etwa unter Fußballfans herrscht, hat sich erneut am vergangenen Wochenende gezeigt: 300 Anhänger von Hannover 96 verwüsteten einen ICE. Das Bahnpersonal ergriff die Flucht, die Polizei wurde nicht verständigt. Auch ist längst bekannt, dass Teile der gewaltbereiten Fanszene eine rechtsextreme Gesinnung pflegen. Vor zwei Jahren versammelten sich mehr als 3000 Fußball-Schläger und Rechtsextreme zu einer Demonstration in Hannover. Aufgerufen hatte die Gruppe HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“).

Bei jedem Heimspiel von 96 führt der Zug der Fans künftig am Flüchtlingsheim vorbei. Die meisten Fußballanhänger werden ruhig ihrer Wege gehen, doch die Gefahr besteht, dass Schlägern nun ein neues Ziel präsentiert wird. Die Polizei, ohnehin immer mehr gefordert durch die Fußballrandale, wird an solchen Tagen auf den Waterlooplatz besonders achtgeben müssen. Ebenso hat der Betreiber der Unterkunft, das Deutsche Rote Kreuz, angekündigt, bei Großveranstaltungen im Stadion zusätzliche Sicherheitskräfte zu mobilisieren.

Für Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten dürfte allein der Anblick von schwer bewaffneten Polizisten und grölenden Fans schwer erträglich sein. Sie können sich schon jetzt im Kalender die Heimspieltermine ankreuzen. Es werden Tage sein, an denen sie ihre Wohncontainer kaum verlassen.

Man hätte das alles wissen können. Bisher bewiesen die Stadtplaner durchaus ein gutes Händchen für die Wahl von Standorten. Klar ist auch, dass Flüchtlinge nicht nur an den Rand der Stadt gehören, um sie aus dem bürgerlichen Sichtfeld zu nehmen. Das weltweite Flüchtlingsdrama darf auch mitten in der Stadt präsent sein. Im ehemaligen Maritim am Friedrichswall klappt das ja auch. Aber der Preis ist im Falle des Waterlooplatzes zu hoch.

Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) hat noch vor der Abstimmung über den Standort zaghaft darauf hingewiesen, dass er nicht um jeden Preis am Waterlooplatz festhalten wolle. Er bat um Alternativvorschläge, denn vor einem Jahr war die Not groß. Aus der SPD gab es vereinzeltes Murren, doch am Ende hoben alle die Hände im vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss. Nicht einmal eine öffentliche Sitzung hat es zu dem Thema gegeben.

Zwei Jahre soll das Flüchtlingsheim auf dem Waterlooplatz nun bestehen. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Einrichtung wegen sinkender Flüchtlingszahlen überflüssig wird.

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