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07:35 23.01.2018
War ein Symbol für Freheit: das Auto. Quelle: dpa/Symbolbild

In den Köpfen der meisten Menschen steht das Auto noch für Freiheit. Man steigt ein und fährt los. Wann man will, wohin man will, unbeobachtet und unkontrolliert. Doch das ändert sich. Schon jetzt können Autohersteller über das Internet zum Beispiel das Aufladen der Batterie verhindern. Zahlt der Fahrer die Leasing-Rate nicht, wird er lahmgelegt. 

Das Beispiel zeigt: Vernetzung und Datensammelei haben auch in der realen Welt spürbare, unangenehme Folgen. Das gilt besonders für Autos. Hier geht es nicht nur um persönliche Daten, sondern auch um viel Geld – und um Sicherheit. Selbst wenn man sich ansonsten wenig Gedanken um Datenschutz macht: Beim Thema Auto sollte man umdenken. Auch die Politik muss sich einschalten. 

Zum Beispiel beim automatisierten Fahren. Kommt es zu einem Unfall, lautet die entscheidende Frage: Hat die Maschine versagt oder der Mensch? Die Autohersteller haben hier einen Vorteil: Sie greifen als Erstes auf die Sensordaten zu und kontrollieren die Weitergabe. Und sie haben ein Interesse daran, dass niemand dem Bordcomputer einen Fehler nachweist. Auch für den Fahrer geht es um viel: Er könnte wegen Fahrlässigkeit verurteilt werden. Das Gesetz entlässt ihn nämlich nicht aus der Verantwortung, wenn die Maschine fährt. Es wäre daher fairer, wenn neutrale Sachverständige zuerst auf Unfalldaten zugreifen und sie interpretieren.

Auch Versicherungen vergrößern mit Autodaten ihren Informationsvorsprung und damit ihre Macht. An die Stelle der großen Solidargemeinschaft der Versicherten treten Tarife, die individuelles Verhalten überwachen. Wer sportlich fährt oder sein Auto öfters in Nachbarschaften mit hoher Diebstahlquote abstellt, zahlt dann mehr. 

Aus Sicht der Konzerne ist das fair, aus Sicht von Datenschützern ein Albtraum. Natürlich können Verbraucher, wie von jeder neuen Technik, auch profitieren. Wer hätte nicht gerne eine App, die freie Parkplätze anzeigt? Oder einen Pannendienst, der schon vor dem Anruf weiß, was kaputt ist?

Legitim sind solche Geschäftsmodelle trotzdem nur, wenn die Fahrer die Kontrolle über ihre Daten behalten. Im Moment ist das nicht der Fall: Niemand weiß, welche Daten gesammelt werden. Der ADAC konnte nur mithilfe von Hackern herausfinden, dass einige Automodelle schon heute Bewegungsdaten und Informationen zum Fahrstil ins Netz funken. Die Hersteller müssen also im ersten Schritt für Transparenz sorgen und detailliert darlegen, welche Daten wohin gehen. Zweitens müssen sie den Fahrern ermöglichen, die Sammelei auf Wunsch zu unterbrechen. Sonst steht das Auto bald nicht mehr für Freiheit, sondern für Überwachung und Fremdbestimmung.

Von Christian Wölbert

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