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Meinung Deutschland siegt – und leidet doch
Nachrichten Meinung Deutschland siegt – und leidet doch
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02:15 12.02.2016
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Die Profis starren auf schlechte Nachrichten aus China und den USA, sie fühlen sich bestätigt in ihrem Verkaufsdrang. Gute Nachrichten haben kaum eine Chance gegen die Phalanx der Pessimisten. So ging am Dienstag die Meldung unter, Deutschlands Exportwirtschaft habe Waren im Wert von fast 1,2 Billionen Euro ins Ausland verkauft – schon wieder ein Rekord.

Getrieben vom billigen Öl und dem niedrigen Euro-Kurs haben deutsche Firmen einen Exportüberschuss von 247,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Experten warnen aber bereits vor dem Ende dieses Booms, vor allem wegen der unsicheren Perspektive der chinesischen Wirtschaft. Inzwischen zieht der Euro-Kurs schon wieder an. Zudem schafft die Flüchtlingskrise neue Unsicherheiten. Immer mehr europäische Länder verstärken die Grenzkontrollen, dies könnte über kurz oder lang fatale Folgen für den eng vertakteten und vernetzten europäischen Binnenmarkt haben, vor allem, wenn am Ende das gesamte Schengen-Abkommen platzen sollte. Schon sehen Konjunkturforscher „Bremsspuren“ und ein Ende der Wachstumskurve kommen.

Deutschlands Branchenverbände indessen zeigen sich weiterhin bemerkenswert optimistisch, auch für dieses Jahr. Noch einmal um 4,5 Prozent werde der Export zulegen, sind sie überzeugt: Ende 2016 werde es erneut ein Rekordplus geben. Rekord nach Rekord nach Rekord? Das klingt wunderbar, doch dahinter steht ein wachsendes Problem. Es ist zwar gut, dass Deutschland eine starke Exportindustrie besitzt und dass deutsche Waren in der Welt außergewöhnlich begehrt sind. Nicht gut ist aber, dass die Importe nicht in ähnlichem Maße wachsen. Deutschland führt seit Jahrzehnten sehr viel mehr Waren aus als ein, doch seit gut zehn Jahren hat der Exportüberschuss kritische Werte erreicht. Was Deutschland ins europäische Ausland liefert, wird dort immer öfter mit Schulden bezahlt. Dem deutschen Überschuss steht in anderen Ländern ein Defizit gegenüber. Dieses Ungleichgewicht gilt als eine der Ursachen der Finanz- und Schuldenkrise.

Das ärgert viele EU-Staaten, Frankreich vorneweg, aber auch Italien und die Osteuropäer. Die Bundesregierung müsste mehr Geld investieren, etwa in den Ausbau der Infrastruktur, um den deutschen Inlandsmarkt anzukurbeln. Durch mehr Investitionen könnte Deutschland zur Stabilisierung des gesamten europäischen Wirtschaftsraums beitragen. Dieser Kerngedanke europäischer Wirtschaftspolitik muss in Berlin stärker berücksichtigt werden. Die Kanzlerin bekommt diese Botschaft immer häufiger zu hören, nicht nur aus Paris oder Rom, sondern auch aus Brüssel, von den gemeinsamen europäischen Institutionen.     

Von Udo Harms

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