Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Die Arbeit geht weiter
Nachrichten Meinung Die Arbeit geht weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 28.08.2015
Anzeige

Dieses Land hätte derzeit tatsächlich allen Grund, sich wie jener prahlerische Herr aus der Fernsehwerbung zu geben, der fotografische Beweisstücke für seinen Wohlstand auf den Tisch knallt: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Auf Deutschland übertragen würde das wohl lauten: unsere Exportüberschüsse, unsere hohen Beschäftigungszahlen, und vor allem: unsere glänzenden Staatsfinanzen. Noch nie in der Geschichte des Landes haben die ersten Monate des Jahres derart hohe Überschüsse in die Kassen von Bund, Ländern, Gemeinden und, nicht zu vergessen, auch in die Rücklagen der Sozialversicherungen gebracht.

Ja, wir sind fleißige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, und wenn unser Bundesfinanzminister im Kreise seiner europäischen Kolleginnen und Kollegen von Haushaltsdisziplin, Schuldenabbau und Vorsorge für schlechtere Zeiten spricht, dann kann er das tun mit der Autorität eines Mannes, der – wie man in seiner badisch-schwäbischen Heimatsprache sagt – sein’ Sach’ in Ordnung hat. Doch bevor wir nun gemeinsam abheben, sollten wir einen Augenblick innehalten. Diese wirklich beeindruckenden Wirtschaftszahlen sind keineswegs allein das Resultat deutscher Haushälterfähigkeiten, deutscher Schaffenskraft und Sparsamkeit. Der Spitzenwert ist auch die Folge des anhaltenden weltweiten Interesses an deutschen Industriegütern, der weiterhin guten Konjunktur und nicht zuletzt von Sondererlösen aus dem Bereich Mobilfunk. Eben damit sind freilich die Risiken schon benannt: Es wird vermutlich nicht unendlich so weitergehen. In China – und damit in Asien – geht gerade das Wachstum in die Knie, die griechisch-europäische Finanzkrise ist nur vertagt, und die Auswirkungen der augenblicklichen Völkerwanderung aus Afrika, Nahost und vom Balkan in das mittlere und nördliche Europa sind nicht abzusehen.

Im Vergleich zur Lage in den Herkunftsländern ist die Wirtschaftskraft der aufnehmenden Länder gewaltig, aber nicht unendlich groß. Die jetzt erzielten Überschüsse können ganz schnell verzehrt werden – nein, nicht weil uns die Armutsflüchtlinge und Asylbewerber die Butter vom Brot nehmen, wie die Kleingeister aus dem nationalistischen Lager es behaupten. Vielmehr besteht die Gefahr, dass wir im Zustand relativen Wohlstandes die langfristige Perspektive vernachlässigen und keine Konzepte entwickeln, wie wir die Einwanderer einbinden in unser demokratisches und wirtschaftliches System. Unser Wohlergehen bringt auch diese Herausforderung mit sich. Die Arbeit geht weiter.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Zukunft werden sich die Krankenkassen bei den Beiträgen wieder deutlicher unterscheiden als bisher. Da das bei den Leistungen kaum der Fall ist, müssen sich die teuren Kassen auf eine neue Fluchtwelle einstellen. Ein Kommentar von Jens Heitmann.

28.08.2015
Meinung Analyse zu den Geschehnissen in Heidenau - Wie wären wir 
ohne die Fremden?

Heidenau? Ein Ort in Sachsen, wo ein Pack brutaler Neonazis vor einer Flüchtlingsunterkunft aufmarschierte und Polizisten sowie Flüchtlinge attackierte. Heidenau, ein Ort, in dem Vizekanzler Sigmar Gabriel gestern das nackte Elend zu sehen bekam. Eine Analyse von Michael B. Berger.

27.08.2015

Das übertriebene Abrutschen der Kurse am Frankfurter Aktienmarkt zeigt deshalb wieder einmal, dass an der Börse Stimmungen oftmals die Oberhand vor fundamentalen Wirtschaftsdaten haben. Ein Kommentar von Ulrich Milde.

27.08.2015
Anzeige