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Die Bundeswehr macht alles ein bisschen

Kommentar Die Bundeswehr macht alles ein bisschen

Klagen über fehlendes Personal, schlechtes Material und falsche strategische Weichenstellungen gehören für die Lobbyisten der Bundeswehr zum Alltagsgeschäft. Ein Kommentar von Dieter Wonka.

Jahrelang winkte schließlich eine Friedensdividende, mit der sich alles Mögliche finanzieren ließ, nur nicht die Bundeswehr in einem Land, das von Freunden umzingelt war.

Doch die Welt hat sich verändert. Krisen, wohin der Blick fällt, und die Bundeswehr steckt mittendrin. Frieden wird Geld kosten, auch die Verteidigung. Manchen fällt diese Erkenntnis schwer.

Wer jetzt mit Blaulicht-Getöse mehr Personal für die Bundeswehr fordert, fängt die notwendige Debatte vom falschen Ende an. Was nützen mehr Soldaten angesichts maroder Waffenarsenale? Viele Soldaten bei immer weniger Geld für Investitionen und Instandhaltung haben sich schon in der Vergangenheit als Irrweg erwiesen. Darunter leidet die Truppe bis heute. Kürzungen bei den Zivilangestellten nach Art des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière haben dazu geführt, dass heute vieles von Soldaten erledigt wird, das nicht zu ihrem Kerngeschäft gehört.

Die neuen Aufgaben für deutsche Soldaten, von Mali über Syrien bis hin zum Awacs-Einsatz, taugen nicht als Grund für den SOS-Ruf. Ein Verband von 178 000 Soldaten kann das leisten, ohne dass die Substanz gefährdet ist. Es sei denn, die Mittelmäßigkeit beschriebe tatsächlich den Alltagszustand der Bundeswehr. Der Ruf nach mehr Personal kann am Ende einer Grundsatzdebatte über die Kosten des Friedens stehen, nicht aber am Anfang. Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert zu Recht mehr Anstrengungen für eine europäische Verteidigungsinitiative. Dazu gehört auch der Mut bei der Bundeswehr, sich in Abstimmung mit dem Bündnis auf eigene Stärken zu konzentrieren und nicht mehr alles ein bisschen machen zu wollen.

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