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Die Griechen
 brauchen Hilfe

Kommentar Die Griechen
 brauchen Hilfe

Die Fernsehbilder von der griechisch-mazedonischen Grenze, die am Montag um die Welt gingen, sind eine Schande für Europa. So haben weder eine nachweislich abschreckende Wirkung noch sind sie menschlich.  Ein Kommentar von Gerd Höhler.

Manche in der EU mögen auf die abschreckende Wirkung dieser hässlichen Szenen spekulieren und denken: Wenn sich erst einmal herumspricht, dass die Grenzen dicht sind, werden es sich die Menschen zweimal überlegen, ob sie in die Schlauchboote steigen und die Reise über die Ägäis antreten.

Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen dafür, dass dieses zynische Kalkül aufgeht. Die Flüchtlinge sind zu verzweifelt und die Schleuser zu skrupellos, um sich von Grenzschließungen abhalten zu lassen. Welche Wirkung der Nato-Einsatz in der Ägäis zeigt, muss sich erst noch zeigen. Zu große Hoffnungen wären verfrüht. Und ob die Türkei jemals willens und in der Lage sein wird, den Menschenschmugglern an ihrer Küste das Handwerk zu legen, ist ebenfalls fraglich.

Setzt sich der Flüchtlingsstrom fort, werden im Sommer rund 200 000 Menschen in Griechenland festsitzen. Schon mit den 25 000 bisher Gestrandeten ist das Krisenland finanziell und organisatorisch völlig überfordert. Wenn noch mehr kommen, werden die Zustände eher noch schlimmer. Athen braucht jetzt schnell tatkräftige Hilfe der EU und internationaler Hilfsorganisationen bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge – sowie bei der Rückführung jener Wirtschaftsmigranten, die keinerlei Aussicht auf Asyl haben. Vor allem aber muss sich Europa auf eine gerechte Verteilung jener Ankömmlinge einigen, die Anspruch auf Schutz haben. Griechenland in ein riesiges Internierungslager zu verwandeln, in dem alle Ankommenden bleiben, kann keine Lösung sein. Wer das plant, riskiert nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern zugleich den Absturz des Krisenlandes ins politische Chaos.

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