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Die Grünen haben verstanden

Kommentar zum Parteitag Die Grünen haben verstanden

Die Grünen gehen einen Pakt ein: Das Spitzenduo kann sich auf die Unterstützung der Partei verlassen, doch dafür müssen Özdemir und Göring-Eckardt ihre bisher gepflegte Distanz zu linken Positionen aufgeben. Kann das klappen? Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

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Das Spitzenduo Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.
 

Quelle: dpa

Berlin.  Große Hoffnungen ruhten auf diesem Parteitag. Er sollte ein Zeichen der Geschlossenheit aussenden, den Grünen Profil verleihen und ihr Selbstvertrauen stärken. Dass dies gelingen könnte, war angesichts der innerparteilichen Kritik an den zwei Spitzenkandidaten und dem in vielen Umfragen und Artikeln bescheinigten Image der Bedeutungslosigkeit alles andere als selbstverständlich. Doch nach drei Tagen ernsthafter Debatten, kämpferischer Reden und ambitioniert-realistischer Beschlüsse muss man sagen: Die Grünen haben sich zusammengerauft. Sie ziehen vereint und mit einem unverwechselbaren Umweltprofil in den Wahlkampf. Ein Garant für den Erfolg ist all das sicher nicht, aber doch eine Voraussetzung.

Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir sind dem linken Flügel ihrer Partei zu Dank verpflichtet. Einzig im Drängen der resoluten Kohlegegner, Dieselverflucher, Flüchtlingshelfer und Homo-Ehen-Aktivisten liegt der Grund dafür, dass die Grünen nicht mit unverbindlichen und somit belanglosen Empfehlungen für sich werben. Auf rote Linien für Koalitionsgespräche hätte das Spitzenteam lieber verzichtet, die Grünen-Delegierten haben sie am Wochenende dennoch gezogen. Sie haben damit ihr Spitzenduo vom peinlichen Vorwurf des Machtopportunismus befreit und ihm Wahlkampfmunition geliefert. Man kann die Positionen der Grünen ja gut, schlecht oder egal finden, doch dazu müssen diese überhaupt erkennbar sein. Dafür haben die Delegierten gesorgt.

Özdemir und Göring-Eckhardt präsentieren sich als Führungsduo

Özdemir und Göring-Eckardt wiederum haben sich der Partei als echtes Führungsduo präsentiert. Zwar sind die Grünen seit ihren antiautoritären Anfängen stolz auf ihre innerparteiliche Basisdemokratie. Aber in diesen Monaten der Krise sehnten sich viele dann doch ein Machtzentrum herbei. Mit kämpferischen Reden, in denen sich Özdemir wie Göring-Eckardt mal nicht nur an Horst Seehofer und Sahra Wagenknecht, sondern auch an Martin Schulz und auch Angela Merkel hart abarbeiteten, haben beide das Vertrauen der Mitglieder gewonnen. Hilfreich war da gewiss auch die Parteitagsregie: Kaum eine Grünen-Parteitagsrede dürfte je länger gewesen sein als die von Özdemir. Und die hinter Göring-Eckardt aufgereihten 50, 60 Neumitglieder verkörperten die Hoffnung in Menschengestalt. Außerdem erhielten die Herren Kretschmann und Trittin nur wenigen Minuten Redezeit, in denen sie sich dann in braver Zurückhaltung übten. Es war die Show von Özdemir und Göring-Eckardt.

Die Grünen sind einen Pakt eingegangen: Das Spitzenduo kann sich auf die Unterstützung der Partei verlassen, doch dafür müssen Özdemir und Göring-Eckardt ihre bisher gepflegte Distanz zu einigen linken Positionen aufgeben. Im nicht ganz unwahrscheinlichen Falle einer Jamaika-Koalition im Bund könnte diese Strategie überlebenswichtig sein.

Von Marina Kormbaki

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