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Die Versicherten 
sind verwirrt

Kommentar Die Versicherten 
sind verwirrt

Einige Krankenkassen haben in diesen Tagen den variablen Obolus des Beitrags erhöht – und klagen gleichzeitig über vermeintliche Ungerechtigkeiten bei der Verteilung des Geldes untereinander. Das aber täuscht über die ausgebliebenen Modernisierungen bei Kassen hinweg. Ein Kommentar von Jens Heitmann.

Die Abseitsfalle im Fußball ist schon kaum zu verstehen und noch schwerer zu erklären – beim Versuch, die Zusammensetzung ihres Krankenkassenbeitrages zu verstehen, werden noch deutlich mehr Menschen scheitern. Seit die Politik zu Jahresbeginn den allgemeinen Beitragssatz gesenkt hat, um im gleichen Moment einen zusätzlichen, variablen Obolus einzuführen, ist die Verwirrung schon groß – der neuerliche Anstieg macht sie komplett. Warum einzelne Kassen deutlich mehr Geld benötigen als andere, wenn vor allem neue Gesetze die Kosten allgemein nach oben treiben, will auf den ersten Blick nicht einleuchten.

Beim zweiten schon eher: Die Kassen bekommen den größten Teil ihrer Einnahmen nicht direkt von ihren Mitgliedern, sondern über einen großen Verschiebebahnhof. Dieser sogenannte Risikostrukturausgleich soll dafür sorgen, dass Kassen mit vielen älteren und kranken Versicherten nicht schlechtergestellt sind als Wettbewerber mit einer jüngeren Klientel. Dieser Mechanismus stellt sich aber nicht automatisch ein: Die Kriterien legen Kungelrunden von Experten fest. Aktuell fühlen sich hier insbesondere die Ersatzkassen benachteiligt, während das AOK-Lager tendenziell etwas besser abschneidet.

Das Wehklagen über vermeintliche Ungerechtigkeiten bei der Verteilung des Geldes dient jedoch auch dazu, die Kritik an der eigenen Kostenstruktur zu übertönen. Etliche Kassen haben schlicht zu spät damit begonnen, ihre Abrechnungssysteme zu modernisieren und das Netz ihrer Geschäftsstellen auszudünnen. Als letzte Rettung erscheint dann oft die Flucht in eine Fusion – selbst wenn das die Probleme eher potenziert als löst. Die Kassen haben nicht viel zu fürchten: Ihre Mitglieder nehmen diese Trägheit in der breiten Mehrheit regungslos hin – auch der Wechsel der Kasse ist vielen eben zu kompliziert.

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