Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Die Wahrheit über Flug MH17
Nachrichten Meinung Die Wahrheit über Flug MH17
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 19.07.2015
Anzeige

Am 17. Juli 2014, vor einem Jahr, verschwindet Flug MH17 über dem Osten der Ukraine vom Radar. 298 Menschen aus zehn Ländern sterben, allein 196 sind Niederländer. Sie sind auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als knapp neben der Maschine der Malaysia Airlines eine Rakete explodiert. Von Schrapnellteilen durchlöchert, stürzt MH17 aus knapp 10 000 Metern Höhe ab. Die Angehörigen der Opfer trauern heute immer noch, sie können die Tragödie nicht wirklich verarbeiten, weil eine Frage immer noch ungeklärt ist: Wer hat geschossen? Ohne eine Antwort kann es keine Gerechtigkeit geben.

Viele Indizien sprechen dafür, dass es die prorussischen Separatisten oder russische Soldaten waren, die die tödliche Buk-Rakete abfeuerten – vielleicht wollte man erneut, wie einige Tage zuvor, eine ukrainische Transportmaschine treffen. Ein tragischer Kollateralschaden in einem brutalen Bürgerkrieg? Mehrere angebliche Belege, meist Fotos, mit denen die Schuld der Ukraine nachgewiesen werden sollte, erwiesen sich jedenfalls rasch als schnöde Fälschungen. Bis heute gibt es allerdings keinen eindeutigen Beweis, der die Täter überführen könnte. Unbestritten ist allein ein Zwischenergebnis der niederländischen Ermittler: Der Passagierjet wurde von einer Rakete getroffen. Im Oktober soll der Abschlussbericht vorgelegt werden. Er könnte die Frage beantworten, von wo die Rakete abgeschossen wurde – dann muss geklärt werden, wer die entsprechende Region am 17. Juli kontrolliert hat.

Für die Hinterbliebenen ist die Aussicht schrecklich, möglicherweise nie die Wahrheit zu erfahren. Sie mussten nach dem Absturz bereits erleben, wie die Leichen ihrer Verwandten tagelang in brütender Hitze liegen gelassen wurden, weil die Separatisten internationalen Einsatzkräften zunächst den Zutritt zur Unglücksstelle verwehrten. Der Verdacht lag nahe, dass mögliche Beweise entsorgt werden sollten. Später verhinderten immer wieder aufflammende Kämpfe eine professionelle Spurensicherung. Erst im Mai dieses Jahres konnten die letzten Leichenteile ausgeflogen werden. Von zwei Opfern fehlt noch immer jede Spur. Der Abschuss hat die Welt entsetzt, die stümperhaften Bergungsarbeiten, nachdem bereits Plünderer die Überreste der Passagiere geschändet hatten, machten sprachlos.

Weil die Ungewissheit kaum erträglich ist, fordern die Niederlande und Malaysia die Einrichtung eines Tribunals der Vereinten Nationen: So könnte die Aufklärung der Katastrophe gegebenenfalls mithilfe von Sanktionen vorangetrieben werden. Doch um ein Tribunal einzusetzen, muss der UN-Sicherheitsrat eine entsprechende Resolution verabschieden – Russland hat bereits Widerstand dagegen angekündigt, Präsident Wladimir Putin nannte den Plan gestern „voreilig und kontraproduktiv“. Moskau  könnte das Tribunal mit seinem Veto-Recht im Sicherheitsrat verhindern. Das spricht nicht dafür, dass der Kreml ein ernsthaftes Interesse hat, den Abschuss von MH17 wirklich aufzuklären – ein weiteres Indiz, dass die Schuldigen eher in Russland oder bei den Separatisten zu suchen sind.

Es geht um Wahrheit und die Durchsetzung des Rechts. Derzeit sieht es eher so aus, als ob bei der MH17-Tragödie beides auf der Strecke bleiben würde.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist nach Kuba gereist. Dabei wurde er von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Denn es gilt:  Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein Kommentar von Stefan Koch.

19.07.2015

"Nationales Kulturgut" soll geschützt werden. In Deutschland ist besondere Vorsicht mit dem Attribut "national" geboten. Kunst bedarf des internationalen Austauschs, der Offenheit. Ein Kommentar von Peter Korfmacher.

18.07.2015
Meinung Analyse zum Auschwitz-Prozess - Ein gutes Urteil – 
aber viel zu spät

Der 94-jährige frühere SS-Mann Oskar Gröning muss für vier Jahre ins Gefängnis. Der Prozess und das Urteil zeigen, wie der Umgang mit Nazi-Verbrechern hätte gehen müssen. Eine Analyse von Thorsten Fuchs.

15.07.2015
Anzeige