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Meinung Die riskante Strategie der Türkei
Nachrichten Meinung Die riskante Strategie der Türkei
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02:15 18.02.2016
Bei zwei Varianten für eine Erweiterung der KGS wird mit dem Abriss oder Teilabriss des Bonhoefferhauses (links) geplant. Auch das Forum steht zur Disposition.Schütz (2) Quelle: Michael Schütz
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Klar ist bislang nur eins: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verfolgt, ob in Syrien oder im Irak, seine ganz eigenen machtpolitischen Ziele. Ist vielleicht ein massiver Militäreinsatz der Türkei in Syrien nur noch eine Frage der Zeit? Seit Wochen wird darüber spekuliert. Erdogan selbst gab einen klaren Hinweis auf solche Pläne: Die Türkei dürfe nicht den „Fehler von 2003“ wiederholen, sagte er.

Gemeint ist die damalige Entscheidung des türkischen Parlaments gegen eine Beteiligung der Türkei am Irak-Krieg und gegen die Entsendung türkischer Truppen in den Nordirak. „Die Situation im Irak wäre heute eine andere, wenn die Türkei damals Präsenz gezeigt hätte“, sagte Erdogan - eine Anspielung darauf, dass die Rebellen der kurdischen PKK heute ihr militärisches Hauptquartier im Nordirak haben.

Auch diesmal, beim Blick auf Syrien, geht es den türkischen Militärs und Politikern vor allem um die Kurden - und allenfalls in zweiter Linie um den Kampf gegen den IS. Die größte Sorge der Türkei ist, dass die syrischen Kurden an der türkischen Grenze eine Autonomiezone schaffen. Das will Ankara mit Blick auf die wieder eskalierende Kurdenrevolte im eigenen Land keinesfalls zulassen.

In jüngster Zeit hat sich die Lage in Syrien dramatisch zulasten der Türkei verändert. Syrische Regierungstruppen kontrollieren jetzt den Landkorridor zwischen der syrischen Großstadt Aleppo und der türkischen Grenze, über den sich die Regimegegner einst mit Nachschub versorgt haben. Die Türkei hatte stets auf einen Sturz des Regimes in Damaskus hingearbeitet.

Inzwischen halten Sicherheitsexperten es aber für wahrscheinlich, dass am Ende Syriens Diktator Baschar al-Assad als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervorgeht. Dann wäre Erdogan der Verlierer. Was Ankara besonders alarmiert: Die syrischen Kurden nutzen die Geländegewinne der Regierungstruppen und stoßen über den Euphrat nach Westen vor - eine „rote Linie“ für die Türkei, die nun überschritten ist.

Die Lage in Syrien wird damit noch komplizierter: Die gleichen kurdischen Gruppen, die von den USA als „Partner“ im Kampf gegen den IS gesehen werden, sind in den Augen Ankaras „Terroristen“. Eine einseitige Intervention der Türkei gegen die syrischen Kurden wäre eine hoch riskante Strategie. Am Ende könnte sogar eine militärische Konfrontation mit Russland stehen. Mit der Solidarität des westlichen Bündnisses aber könnte der Nato-Staat Türkei bei einem solchen einseitigen Vorgehen in Syrien kaum noch rechnen.

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