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Du glückliches Deutschland

Kommentar Du glückliches Deutschland

Die Spitzen der wichtigsten Wirtschafts-, Finanz- und Handelsorganisationen der Welt kommen einmal im Jahr bei Angela Merkel vorbei. Und das nicht um sonst: Unser Land steht weit besser da als die meisten Industrieländer – das sollten wir nutzen, meint RND-Redakteur Andreas Niesmann. Ein Kommentar.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel
 

Quelle: AP

Berlin.  Man kennt sich. Man schätzt sich. Und zu besprechen gibt es wahrlich genug, wenn die Spitzen der wichtigsten Wirtschafts-, Finanz- und Handelsorganisationen der Welt einmal im Jahr bei der deutschen Bundeskanzlerin vorbeischauen. Dieses Mal allerdings ist die Zahl der Probleme größer denn je. Der um sich greifende Protektionismus, die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern, die schwelende Bankenkrise in Südeuropa, die Angst vor dem Brexit und dann auch noch der neue US-Präsident, bei dem nur eines berechenbar scheint – seine Unberechenbarkeit. Nein, um diese Tagesordnung sind Angela Merkel und die Chefs von Währungsfonds, Weltbank, Welthandelsorganisation, OECD und Internationaler Arbeitsorganisation wahrlich nicht zu beneiden.

Einen Lichtblick allerdings gibt es: Mit der Verfasstheit des Gastgeberlandes müssen sich die Wirtschaftsexperten nicht lange aufhalten. Im Gegenteil: Deutschland strotzt nur so vor ökonomischer Kraft. Die Wirtschaft befindet sich auf dem Höhepunkt eines beispiellosen Booms, das Bruttoinlandsprodukt wird dieses Jahr zum siebten Mal in Folge wachsen. Die Beschäftigung steigt auf ein Rekordhoch, die Arbeitslosigkeit fällt auf ein Rekordtief. Die Sozialkassen verbuchen riesige Überschüsse und die Steuereinnahmen sprudeln. Kein Zweifel: Im internationalen Vergleich ist Deutschland im Moment die Insel der Glückseligen.

Rahmenbedingungen einmalig günstig

Das hat mit einer maßvollen Lohnpolitik zu tun, mit einem flexibilisierten Arbeitsmarkt – und nicht zuletzt mit einer gehörigen Portion Glück. Das deutsche Jobwunder wäre ohne die Zuwanderer aus den kriselnden Ländern Südeuropas nicht denkbar, die Überschüsse der öffentlichen Haushalte nicht ohne das niedrige Zinsniveau. Der schwache Euro erhöht die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Maschinen-, Anlagen- und Autobauer, der niedrige Ölpreis hat großen Anteil an der positiven Außenhandelsbilanz. Anders ausgedrückt: Deutschland profitiert von Rahmenbedingungen, die historisch geradezu einmalig günstig sind.

Darin liegen große Chancen und noch größere Herausforderungen. Während andere Länder mit den Problemen der Gegenwart zu kämpfen haben, könnte Deutschland die Probleme der Zukunft angehen. Den demografischen Wandel, die Verödung ländlicher Regionen, die Bildungsmisere in unteren sozialen Schichten. Das ist die Chance, die die Politik nun ergreifen muss. Gleichzeitig muss sie einen Weg finden, wie alle gesellschaftlichen Gruppen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren können. Das ist bislang nicht gelungen, und darin liegt die große Herausforderung. Die gute Nachricht ist: Mit einer Politik, die in zweierlei Hinsicht Maß hält, kann beides gelingen. Das ist im Wahljahr schwierig, aber keinesfalls unmöglich. Gehen wir es an!

Von Andreas Niesmann

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