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Ein Signal der Verständigung

Kommentar zu Israel Ein Signal der Verständigung

Die neue Mauer von Jerusalem wird – zunächst – nicht gebaut. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass Israels Regierungschef Netanjahu darauf verzichten wird, eine Mauer durch Jerusalem ziehen zu lassen. Noch ist es zu früh für Erfolgsmeldungen, aber sicher ist: Der Nahe Osten braucht keine weiteren Mauern.  Eine Analyse von Harald John.

Die neue Mauer von Jerusalem wird – zunächst – nicht gebaut. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Montagabend spät und offenbar auf Druck seiner rechtsorientierten Minister darauf verzichten wird, eine neun Meter hohe Mauer durch den Osten Jerusalems ziehen zu lassen. Netanjahu hätte damit nicht nur das arabische Viertel Issawijeh eingemauert, er hätte die ohnehin aufgeputschte Stimmung zwischen Palästinensern und Juden deutlich angefacht. Experten hatten sich angesichts der jüngsten Ereignisse gefragt, ob wir nicht am Vorabend einer dritten Intifada stehen. Manches sprach dafür, dass nach den ersten beiden Palästinenseraufständen, dem „Krieg der Steine“ 1987 und der „Al-Aqsa-Intifada“ 2000, eine dritte blutige Auseinandersetzung bevorsteht.

Zuletzt war es immer wieder zu Messerattacken junger Palästinenser gekommen, acht Tote Israelis und 40 tote Palästinenser sind seither zu beklagen. Vorläufiger Höhepunkt ist das Blutbad im Busbahnhof von Beerscheva, am späten Sonntag hatte ein Einzeltäter einen Israeli erschossen und elf weitere Menschen verletzt. Erst spät sickerte gestern die Nachricht durch, dass auch ein unbeteiligter Mann aus Eritrea an seinen Verletzungen starb. Ein Wachmann hatte ihn angeschossen, der wütende Mob glaubte, es handele sich um einen Komplizen des Attentäters.Passanten traten dem Mann brutal gegen den Kopf, versuchten ihn zu lynchen. Er starb später an seinen Verletzungen.

Am Montagabend kam vieles zusammen: Die Scham, am Tod eines Unbeteiligten schuldig zu sein. Der scharfe Protest gegen eine neue Mauer in Jerusalem. Und der Hinweis der deutschen und amerikanischen Regierung, Israels Regierungschef möge deeskalierend einwirken. Noch ist es zu früh für Erfolgsmeldungen, aber sicher ist: Der Nahe Osten braucht keine weiteren Mauern.

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