Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Ein Signal der Verständigung
Nachrichten Meinung Ein Signal der Verständigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 22.10.2015
Anzeige

Die neue Mauer von Jerusalem wird – zunächst – nicht gebaut. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Montagabend spät und offenbar auf Druck seiner rechtsorientierten Minister darauf verzichten wird, eine neun Meter hohe Mauer durch den Osten Jerusalems ziehen zu lassen. Netanjahu hätte damit nicht nur das arabische Viertel Issawijeh eingemauert, er hätte die ohnehin aufgeputschte Stimmung zwischen Palästinensern und Juden deutlich angefacht. Experten hatten sich angesichts der jüngsten Ereignisse gefragt, ob wir nicht am Vorabend einer dritten Intifada stehen. Manches sprach dafür, dass nach den ersten beiden Palästinenseraufständen, dem „Krieg der Steine“ 1987 und der „Al-Aqsa-Intifada“ 2000, eine dritte blutige Auseinandersetzung bevorsteht.

Zuletzt war es immer wieder zu Messerattacken junger Palästinenser gekommen, acht Tote Israelis und 40 tote Palästinenser sind seither zu beklagen. Vorläufiger Höhepunkt ist das Blutbad im Busbahnhof von Beerscheva, am späten Sonntag hatte ein Einzeltäter einen Israeli erschossen und elf weitere Menschen verletzt. Erst spät sickerte gestern die Nachricht durch, dass auch ein unbeteiligter Mann aus Eritrea an seinen Verletzungen starb. Ein Wachmann hatte ihn angeschossen, der wütende Mob glaubte, es handele sich um einen Komplizen des Attentäters.Passanten traten dem Mann brutal gegen den Kopf, versuchten ihn zu lynchen. Er starb später an seinen Verletzungen.

Am Montagabend kam vieles zusammen: Die Scham, am Tod eines Unbeteiligten schuldig zu sein. Der scharfe Protest gegen eine neue Mauer in Jerusalem. Und der Hinweis der deutschen und amerikanischen Regierung, Israels Regierungschef möge deeskalierend einwirken. Noch ist es zu früh für Erfolgsmeldungen, aber sicher ist: Der Nahe Osten braucht keine weiteren Mauern.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf ihrem Gewerkschaftstag in Frankfurt müssen sich die IG-Metall-Größen auch der Frage stellen, ob „Dieselgate“ wirklich nur die Krise der anderen ist. Schließlich hat die IG-Metall VW als Musterfall der Mitbestimmung vorgeführt und die „VW-Kultur“ gepriesen – in guten Zeiten. Eine Analyse von Stefan Winter. 

22.10.2015

Seit einem Jahr gehen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden Woche für Woche auf die Straße. Doch die sogenannten Abendspaziergänge sind kein friedlicher Protest mehr. Das zeigen nicht erst die traurigen Vorfälle des Wochenendes. Eine Analyse von Harald John. 

22.10.2015
Meinung Leitartikel zur Flüchtlingspolitik - Sie sind so grün

„Wir kommen an die Grenzen“: Bürgermeister und Landräte in Niedersachsen haben diesen Satz oft genug wiederholt. Die Grünen hätten zuhören können – stattdessen haben Sie die Decke über den Kopf gezogen. Nach der Enthaltung zum Asylgesetz ist Stephan Weil mit Recht stinksauer. Eine Analyse von Hendrik Brandt. 

19.10.2015
Anzeige