Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Ein Streit ganz ohne Vernunft

Kommentar Ein Streit ganz ohne Vernunft

Mit Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan liegen zwei politische Alphatiere im Clinch – obwohl dieser Begriff aus der Verhaltensforschung das Ego der beiden Männer und die Gefahren ihres Streits nur unzureichend beschreibt. Ein Kommentar von Gerd Höhler.

Erdogan hat zwar für seine Verhältnisse schon zurückgesteckt, als er den Abschuss des Suchoi-Bombers öffentlich bedauerte. Er gab auch zu erkennen, es wäre dazu gar nicht gekommen, wenn man gewusst hätte, dass es sich um ein russisches Flugzeug handelte. Aber Putin will nicht einlenken und antwortet mit Wirtschaftssanktionen.

Brandgefährlich ist diese Machtprobe, weil sie vor dem Hintergrund des syrischen Bürgerkriegs ausgetragen wird. Beide Länder sind in diesen Konflikt verstrickt, und zwar mit gegensätzlichen Interessen: Russland stützt den Despoten Assad, um seine einzigen Militärstützpunkte am Mittelmeer zu sichern. Dabei fallen auch russische Bomben auf die syrischen Turkmenen, die gegen Assad kämpfen und als deren Schutzherr sich Erdogan begreift. Die Türkei arbeitet auf den Sturz Assads hin und will kurdische Autonomiebestrebungen im Norden Syriens unterbinden.

Die jahrhundertealte Rivalität zwischen den islamischen Osmanen und den orthodoxen Russen sowie die aktuellen Spannungen Russlands mit der Nato geben der Konfrontation eine noch brisantere Dimension. Aber es gibt auch gemeinsame Interessen, die Erdogan und Putin erkennen müssten. Dazu gehört der Kampf gegen den IS, den die Türkei bisher nur zögerlich führt. Auch in der Energiepolitik sind die beiden Streithähne aufeinander angewiesen, weshalb Putin dieses Thema bei den gegen Ankara verhängten Wirtschaftssanktionen wohlweislich ausklammert. Es gäbe also gute Argumente, den Streit hinter sich zu lassen. Aber leider folgt dieses Kräftemessen bisher nicht den Regeln der politischen Vernunft.

Von Gerd Höhler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Meinung