Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Ein hoher Preis für Air Berlin

Leitartikel Ein hoher Preis für Air Berlin

Die Bundesregierung tue sich keinen Gefallen damit, die Filetstücke der insolventen Air Berlin der Lufthansa zuzuschlagen, meint unser Autor Dieter Wonka. Denn: Am Ende zahle die Politik den doppelten Preis. Sein Fazit: Besser ein Exempel statuieren – Pleite ist Pleite – und die Lufthansa alleine weiterfliegen lassen.

Berlin 52.520007 13.404954
Google Map of 52.520007,13.404954
Berlin Mehr Infos
Nächster Artikel
Die Städte sind die Dummen

Die Lufthansa solle lieber alleine weiterfliegen, ohne die Filetstücke von Air Berlin, meint Autor Dieter Wonka.
 

Quelle: imago

Berlin.  Die Bundesregierung meint, Deutschland brauche eine nationale Fluglinie. Andere Nationen leisteten sich das auch. Folglich ging es mit der Insolvenz von Air Berlin für die Politik nur noch um eine Frage: Wie kann unter dem Grauschleier staatlicher Hilfe die Lufthansa ein möglichst großes Kuchenstück aus der Erbmasse der Pleitelinie Air Berlin erhalten? Seit Monaten waren Regierungsvertreter an Bord, um Slots, Fluggerät und Belegschaften hin und her zu schieben. Dabei gehört dem Bund keine einzige Lufthansa-Aktie. Festgesetzt hat sich öffentlich aber der Eindruck, das Kranich-Unternehmen sei ein quasi staatlicher Betrieb.

In Wahrheit verhält sich die Regierung Merkel im Fall Air Berlin so wie Donald Trump mit seiner protektionistischen These: America first! Jetzt heißt es auf dem Rollfeld: Deutschland zuerst! Verantwortlich dafür ist nicht nur die Neigung vieler Politiker, sich in Krisenfällen kurzzeitig als Super-Manager zu präsentieren. So hat es Ex-Kanzler Gerhard Schröder einst beim Konkurs des Bauunternehmens Holzmann gemacht. Gebracht hat es am Ende der Belegschaft so gut wie nichts. Zu retten war der Konzern sowieso nicht mehr. Der Markt hat gesiegt, die Zeche haben die Arbeitnehmer gezahlt. Angela Merkels Regierung macht bei Air Berlin einen neuerlichen Anlauf ins staatliche Unternehmergeschäft. Mit 150 Millionen Euro an Überbrückungskredit und mit zeitweiligen Gehaltszahlungen aus der Kasse der Bundesagentur für Arbeit in hoher zweistelliger Millionenhöhe ist aber nur eine dreimonatige Atempause zu finanzieren. Die eigentliche Rechnung kommt danach. Und die droht teuer zu werden.

Der Luftverkehrsmarkt ist für manche Wettbewerber nur deswegen so lukrativ, weil erstens die Regeln des Marktes durch notorische staatliche Interventionen gründlich verwässert sind und weil zweitens das Prinzip der Selbstausbeutung durch das angestellte Personal den Unternehmen eine Extrarendite beschert. Ryanair hat dabei Maßstäbe gesetzt. Aber die Lufthansa macht auch nur deshalb besonders hohe Gewinne, weil sie selbst Billiglinien betreibt und nur ein wenig mehr bezahlt als der robuste Konkurrent aus Irland.

Die Bundesregierung, die so eifrig die Filetstücke von Air Berlin zu Lufthansa verschieben will, zahlt für die Airline-Rettung einen doppelten Preis. Sie muss den Passagieren die demnächst fälligen höheren Lufthansa-Ticketpreise erklären – denn so funktioniert Marktwirtschaft, wenn es ein Quasimonopol gibt. Und sie muss den Beschäftigten in der Perspektive ein Einkommen über den Mindestlöhnen von Easyjet garantieren. Beides ist kaum zu schaffen. Also stellt sich am Ende wohl doch die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, im Fall von Air Berlin ein Exempel zu statuieren. Pleite ist pleite. Und die Lufthansa soll sehen, wie sie allein fliegt.

Von Dieter Wonka/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Meinung