Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Ein teurer Erfolg für Verdi

Leitartikel Ein teurer Erfolg für Verdi

Maßhalten könnte für Verdi eine vernünftige Strategie sein. Denn die jetzt hoffentlich beendete Tarifauseinandersetzung hat bereits Schaden angerichtet. Dabei geht es nicht nur um die Missstimmung zwischen Gewerkschaftsspitze und Basis. Ein Leitartikel von Udo Harms.

Am Ende brachten neun Millionen Euro den Durchbruch. So viel wollen die kommunalen Arbeitgeber im Vergleich zum Schlichterspruch vom Juni draufzahlen, um den Tarifkonflikt im Sozial- und Erziehungsdienst zu beenden. Die Gesamtsumme für die 220 000 Beschäftigten liegt damit bei 315 Millionen. Ob das reicht, ist allerdings noch nicht entschieden: Wieder will die Gewerkschaft Verdi in einer Urabstimmung klären lassen, ob die Mitglieder diesmal zufrieden sind - nach dem Schlichterspruch ging das krachend schief.

Doch die Chancen stehen diesmal besser. Zwar ist das durchschnittliche Gehaltsplus mit 3,3 Prozent erneut sehr weit entfernt von der 10-Prozent-Forderung, mit der Verdi in den Arbeitskampf gezogen ist. Diesmal jedoch wird das Geld nicht nur aufgestockt, sondern vor allem besser verteilt. Richtig glücklich wird die Gewerkschaftsbasis mit diesem Ergebnis allerdings nicht sein. Gelungen ist allenfalls eine leichte Aufwertung der sozialen Berufe.

Bei den Verhandlungen ging es um die Eingruppierung der Erzieher und Sozialarbeiter in höher dotierte Entgeltgruppen. Dadurch stehen sie im Vergleich zu anderen Berufen des öffentlichen Dienstes besser da. Zu dessen Komplexität gehört, dass Verdi schon im Frühjahr 2016 eine neue Chance bekommt, mehr Geld rauszuholen: Dann wird im Rahmen der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst erneut über höhere Gehälter verhandelt, auch für Erzieher und Sozialarbeiter.

Doch maßhalten könnte für Verdi dann eine vernünftige Strategie sein. Denn die jetzt hoffentlich beendete Tarifauseinandersetzung hat bereits Schaden angerichtet. Dabei geht es nicht nur um die Missstimmung zwischen Gewerkschaftsspitze und Basis, sondern auch um das bewährte Modell der Tarifautonomie. Die vielen Streiks zu Lasten Dritter, nämlich der Eltern, ließen schon Zweifel aufkommen, ob es richtig sei, dass sich die Politik aus dem Lohnfindungsstreit zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber wirklich immer raushalten sollte.

Zudem hat sich gezeigt, dass die Arbeitskampfinstrumente der Gewerkschaft nur bedingt effektiv sind: Die Arbeitgeber hätten neue Streiks, bei denen sie ja Gehaltszahlungen sparen, auch aussitzen können. Das Tarifsystem funktioniert nur, wenn es auf beiden Seiten Einigungswillen und Kompromissbereitschaft gibt. Bei den aktuellen Verhandlungen gebührt hier der Arbeitgeberseite das größere Lob, weil sie vor allem im Interesse der Eltern den Streit beenden will.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Einigung im Kita-Streit

Eltern können aufatmen: Gewerkschaften und Kommunen haben sich am Mittwoch in Hannover auf einen Tarifvertrag für Erzieher und Sozialarbeiter geeinigt. Weitere Streiks in städtischen Kindertagesstätten sind damit höchst wahrscheinlich vom Tisch. Allerdings muss die Gewerkschaftsbasis noch bis Ende Oktober zustimmen.

mehr
Mehr aus Meinung