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Europa braucht den Neustart

Kommentar Europa braucht den Neustart

Nein, dieser Beweis war nun wirklich nicht mehr nötig. Seit Wochen führt das Nachdenken über die Flüchtlingskrise in Europa immer wieder zu der Einsicht, dass es nur eine europäische Lösung für die Probleme geben kann.  Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer.

Nun rollen Züge mit Tausenden von Flüchtlingen aus Budapest auf München zu, weil die Behörden in Ungarn die Bahnhofstüren für einige Stunden einfach geöffnet haben. Eben noch hatte man sich aufgeregt, dass Ungarn seine Grenzen mit einem Stacheldrahtzaun gegen Schutzsuchende abriegelt. Und jetzt empören sich deutsche und österreichische Politiker lautstark, dass die ungarische Polizei Flüchtlinge ungehindert ausreisen lässt. Wäre es etwa besser gewesen, die Menschen mit Gewalt vom Bahnhof in Budapest zu vertreiben?

Europas Krisenmanagement gerät nicht deshalb an die Grenzen, weil es aktuell am Willen mangelt, das Problem in den Griff zu bekommen. In der Krise zeigt sich vielmehr deutlich, dass Brüssel bislang nicht einmal im Ansatz eine schlüssige Antwort auf die Frage hatte, wie man mit Menschen umgehen soll, die aus den Krisenregionen dieser Welt ins sichere Europa drängen. Im reichen Norden sah man die Lösung bislang darin, dass die Menschen im armen Süden aufgenommen werden mussten, wo sie als Erstes europäischen Boden betreten hatten. Faktisch war das Asylrecht in Deutschland damit ausgehöhlt – und ganz praktisch hat das System schon lange nicht mehr funktioniert.

Vielleicht musste dieses System erst einmal komplett zusammenbrechen, damit ein Neustart wirklich möglich ist. Die Europäer jedenfalls haben jetzt keine Wahl mehr. Entweder sie finden ganz schnell einen Weg, die Flüchtlinge gerecht in Europa zu verteilen. Oder sie schließen wieder die Grenzen. Dann aber hat sich die Idee, die hinter Europa steht, ganz schnell erledigt.

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