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Meinung Ein Land der Helfer und Hetzer
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02:15 10.08.2015
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Ein Spalt zieht sich in diesem Sommer quer durch Deutschland. Er trennt nicht Arm und Reich voneinander, auch nicht Ost und West. Er gründet in der Frage nach dem richtigen Umgang mit Menschen, die jetzt tagtäglich zu Hunderten in der Hoffnung auf Schutz deutschen Boden betreten. Es ist eine Frage, die das Selbstverständnis der Deutschen berührt: Verpflichten Wohlstand und Sicherheit - beides selbstverständlich für das Leben hierzulande, historisch und geografisch jedoch die große Ausnahme - zur großzügigen Hilfe gegenüber Flüchtlingen? Andererseits: Wie viel Hilfe ist möglich, ohne Wohlstand und Sicherheit zu gefährden?

Auslandseinsätze der Bundeswehr, Euro-Rettung, Energiewende: Kontrovers diskutierte Fragen hat es in den zurückliegenden 25 Jahren gewiss viele gegeben. Seit dem Mauerfall jedoch war das Weltgeschehen nicht derart sichtbar im Alltag der Deutschen wie jetzt, da sich Familien beim Picknick im Park die Wiese mit kriegsmüden Syrern teilen. Die Flüchtlingsfrage ist keine theoretische, sondern verlangt nach einer Antwort, hier und jetzt. Doch die Politik macht einen hilflosen Eindruck.

Viele Bürger spüren derweil, dass das Thema nicht von selbst verschwinden wird. Dass dieser gefühlte Höhepunkt des Flüchtlingszustroms erst der Beginn einer viel größeren Bevölkerungsverschiebung sein könnte. Und sie reagieren: mit Anteilnahme oder Angst, mit Hilfsbereitschaft oder Hass. Entsprechend zwiespältig ist das Bild, das die Bundesrepublik in diesen Tagen vermittelt. Da sind die vielen ehrenamtlichen Helfer, die ihre Sommerferien jungen Syrern, Irakern und Eritreern widmen, ihnen Deutsch beibringen, sie bei Behördengängen begleiten oder sogar bei sich zu Hause aufnehmen. Nicht zu vergessen all die hauptamtlichen Helfer - Verwaltungsmitarbeiter, Lehrer, Polizisten, deren Professionalität unverzichtbar ist.

Auf der anderen Seite sind da die vielen Hetzer, die Flüchtlinge überfallen oder ihre Unterkünfte attackieren, beinah täglich. Die das Internet fluten mit widerlichen Kommentaren und sich dabei auf die Meinungsfreiheit berufen. Hetze ist eine inzwischen reflexhaft vorgebrachte Reaktion auf Berichte über Flüchtlinge, wie ARD-Moderatorin Anja Reschke in den „Tagesthemen“ bemerkenswert kritisch feststellte - um anschließend auf ihrer eigenen Facebook-Seite durch hasserfüllte Kommentare scrollen zu dürfen.

Es scheint, als gäbe es zwei Deutschlands: ein leises, mitfühlendes - und ein lautes, aggressives. Zwei Parallelwelten, deren Bewohner bisher noch keinen Weg gefunden haben, ins Gespräch zu kommen, miteinander sachlich zu verhandeln, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen, heute und in Zukunft. Das muss sich ändern. Wir brauchen eine Wertedebatte. Mutig, selbstbewusst und laut geführt von all jenen, die es für eine Selbstverständlichkeit erachten, Menschen in Not die Hand zu reichen.

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