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Für alle Fälle

Schwarz-Grün Für alle Fälle

Ausgerechnet in Hessen formiert sich eine schwarz-grüne Regierung. Das zeigt: Diese Koalition könnte in Zukunft auch auf Bundesebene interessant sein. Eine Analyse von Jörg Kallmeyer.

Das Superwahljahr 2013 geht zu Ende – und es hat Deutschland eine neue Erkenntnis gebracht: In der Politik ist nichts mehr unmöglich.

In Niedersachsen regiert jetzt Rot-Grün, Berlin steuert auf die Große Koalition zu, und in Hessen will man es nun wohl mit Schwarz-Grün versuchen. In Hessen? Tatsächlich: Nirgendwo sonst schienen die kulturellen Gräben größer zu sein als hier. Die großstädtisch-flippigen Grünen auf der einen, die besonders konservativen Christdemokraten auf der anderen Seite. Der Grünen-Spitzenmann Tarek Al-Wazir, ein Mann mit jemenitischen Vorfahren, hat schon mit Roland Koch bis zum Abwinken über den Doppelpass gestritten. Jetzt soll er mit Volker Bouffier die erste schwarz-grüne Regierung in einem Flächenland angehen.

Der hessische Weg ist kein Unterfangen von politischen Überzeugungstätern, sondern eine nüchterne Antwort auf machtpolitische Realitäten: Die Grünen können sich nicht mehr allein an die SPD binden, wenn sie regieren wollen. Die SPD hat sich vom Tabu einer Bindung an die Linkspartei befreit – und die Union hat vom Wähler gezeigt bekommen, dass sie sich auf die FDP nicht verlassen sollte. Die neue Vielfalt bietet Chancen, sie kann jedoch irritieren – vor allem wenn sich die verschiedenen Bündnisse so gleichzeitig bilden wie jetzt in Wiesbaden und Berlin.

Der Grünen-Bundesspitze wird überdeutlich vor Augen geführt, dass sie auf die politischen Erosionen in Deutschland nicht ausreichend vorbereitet war. Warum sollte im Bund nicht möglich sein, was in Hessen nun für machbar erachtet wird?

Einige Grüne und Christdemokraten schmieden bei Berliner Pizza inzwischen Pläne für die Zukunft. Sie sollten schon jetzt gerüstet sein – für alle Fälle.

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Medienberichte
Foto: Koalistionsverhandlungen auf der Zielgeraden: In Hessen favorisiert Volker Bouffier (CDU, Foto links) offenbar ein Bündnis mit Tarek Al Wazir (Grüne, rechts). SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel (mitte) wird mit seiner Partei dann wohl in die Opposition gehen.

Premiere in Hessen: Die CDU-Spitze will offenbar ein schwarz-grünes Regierungsbündnis schmieden. Am Freitagnachmittag stehen die abschließenden Beratungen des Landesverbands an. Es wäre die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland.

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