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Für die Roma-Kinder muss die Stadt Lösungen finden

Kommentar Für die Roma-Kinder muss die Stadt Lösungen finden

In der City wohnen Roma in einem Schrotthaus in schlimmen Zuständen, darunter insgesamt 18 Kinder. Ihnen zu helfen ist sehr schwierig – also braucht es gute Ideen, meint Jutta Rinas.

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Unter erbärmlichen Umständen leben in diesem Haus Roma.

Quelle: Kutter

Hannover. In dieser Woche wurde bekannt,  wie erbärmlich Roma in einem vergammelten Haus in der Innenstadt leben. Müll, Schimmel, keine Heizung, Überbelegung, Ungeziefer: Es gibt keinen Zweifel, dass die Zustände für Kinder dort inakzeptabel sind. Und nicht nur das: Sie sind auch gefährlich. Ein Beispiel von vielen: Vor dem Haus verläuft eine vierspurige Straße, schon ganz kleine Kinder turnen dort unbeaufsichtigt auf einem Geländer herum. Es ist insgesamt nur eine Frage der Zeit, wann etwas Schlimmes passiert. Dass die Stadt hier keine Kindeswohlgefährdung sieht, deretwegen man die Kinder eigentlich aus den Familien nehmen müsste, hat etwas Zynisches an sich. Kinder können kaum unter erbärmlicheren Umständen aufwachsen.

Keine gewöhnlichen Mieter

Gleichwohl stimmt auch, dass die Roma keine gewöhnlichen Mieter sind. Wie groß ihr Anteil am Zustand des Hauses ist und wie groß der des Vermieters, der sich allem Anschein nach nicht um die Immobilie kümmert, ist schwer zu sagen. Zuletzt hieß es, die Bewohner wollten aus der Katastrophenimmobilie gar nicht ausziehen. Sind sie mit den Zuständen zufrieden – oder vielleicht mit der Sprache überfordert, wenn andere Angebote kommen?

Kaum etwas ist für Sozialarbeiter so schwierig wie der Umgang mit Roma – und ihre Zahl in Hannover nimmt dramatisch zu. Nicht alle, aber viele zeigen trotz materieller Not keinerlei Neigung, auf Hilfsangebote einzugehen. Die Familien aus dem Schrotthaus etwa müssen offenbar von vielen Seiten dazu gedrängt werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie entziehen sich allen Institutionen – das macht das Helfen schwierig. Man fragt sich unwillkürlich, welchen Sinn all die Mühe hat.

Dennoch führt nach Lage der Dinge kein Weg daran vorbei, den Familien Hilfe anzutragen. Dafür gibt es mindestens einen, sehr einfachen, Grund: die Kinder. Stadt und Polizei tun in dem Fall schon einiges, noch allerdings hält sich der Erfolg in Grenzen. Warum? Vermutlich sind Bußgelder gegen Menschen, die sowieso nichts haben, nicht besonders sinnvoll. Erfolg versprechender wäre eine enge Zusammenarbeit mit der Schule, deren Lehrerinnen die Kinder sogar abholen und zur Schule bringen würden.

Manche Experten sagen, es hilft, wenn Eltern wissen, dass die Schule Hefte und Stifte stellt. Einen Anspruch auf Kostenerstattung haben Roma, anders als Sozialhilfeempfänger, nicht. Ein kostenloses Mittagessen in der Schule kann ein Anreiz sein. In Berlin gibt es Bildungslotsen: Roma, die es geschafft haben. Eine Aachener Wohnungsgesellschaft hat Schrotthäuser gekauft und daraus ein Vorzeigeprojekt gemacht.

Von anderen lernen

Aus solchen Projekten muss die Stadt lernen und ihre Konzepte für Armutszuwanderer weiterentwickeln. Allein deshalb, weil deren Zahl so drastisch gestiegen ist. Im Fall des Schrotthauses muss klar sein, dass die Zustände für Kinder auf Dauer unhaltbar sind. Wenn die Stadt sie nicht aus den Familien holt, was der allerletzte Schritt sein sollte, kann die Alternative nur sein, dass sie Ersatzwohnraum findet – aus städtischem Besitz.

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