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Meinung Gabriels Kampf gegen das Original
Nachrichten Meinung Gabriels Kampf gegen das Original
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02:15 13.08.2015
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Einiges ist damit zu erklären, dass auch in Berlin der Sommer regiert. Wie eine Sensation wurde der Hinweis gefeiert, dass Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2017 wieder antreten wird. Donnerwetter! Interessant wäre doch nur die Meldung gewesen, dass die Kanzlerin es nicht noch einmal wissen will.

Eine Woche später zieht SPD-Chef Sigmar Gabriel nach: Ja, die SPD werde gegen Merkel antreten. Welch eine Nachricht! Interessant ist die Einlassung von Gabriel gleichwohl - er sagt nämlich nicht, wer für die Sozialdemokraten als Kanzlerkandidat antreten soll.

Gabriel hat als Parteichef den ersten Zugriff. Aber will er auch? Bis zur Wahl ist es noch eine kleine Ewigkeit, das Thema aber hat innerhalb der SPD eine Eigendynamik bekommen, die Gabriel schon jetzt als Getriebenen in der Debatte erscheinen lässt. Und diese Rolle mag er überhaupt nicht.

Der SPD-Chef wagt die Flucht nach vorn und zeigt sich offen für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten. Tatsächlich hat Gabriel beim Koalitionsvertrag gute Erfahrungen mit einer Mitgliederbefragung gemacht. Außerdem macht es sich gut, auch intern mehr Demokratie zu wagen. Und doch weiß Gabriel, dass der Ruf aus den eigenen Reihen nach einer Urwahl am Ende gegen ihn selbst gerichtet war.

Gabriel ist kein schlechter SPD-Chef, doch die Unzufriedenheit in der Partei wird immer häufiger in Richtung des Vorsitzenden gelenkt. Wie kann es sein, dass eine Partei, die in neun von 16 Bundesländern den Regierungschef stellt, im Bund bei Umfragen gerade einmal 25 Prozent der Stimmen erhält? Immer weniger trauen Gabriel zu, das Blatt zu wenden. Nur 35 Prozent der SPD-Mitglieder glauben, dass er der richtige Kanzlerkandidat ist.

Verlassen kann sich Gabriel in der SPD nur auf wenige. Verlässlich ist aber der destruktive Stil, der internen Personaldebatten anhaftet. In der Partei ist niemand in Sicht, der sagt, dass er es besser könne als Gabriel. Im Gegenteil: Dass Thorsten Schäfer-Gümbel das Gesicht der SPD in diesem Sommer sein durfte, sagt viel über die Ambitionen der SPD-Ministerpräsidenten in Berlin aus.

Gabriel würde gern vom Erfolg der SPD in den Ländern lernen - wenn es denn so einfach wäre. Als Ministerpräsidenten sind jene Politiker erfolgreich, die pragmatisch agieren. Weniger gut angesehen sind dagegen jene Sozialdemokraten, die polarisieren. Kiels Regierungschef Torsten Albig, der daran zweifelt, ob die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellen soll, liegt auf der Beliebtheitsskala der SPD-Ministerpräsidenten ganz unten. Oben auf der Liste steht Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, ein Mann des Ausgleichs.

„Wer merkelt, gewinnt“, sagt ein Meinungsforscher. Genau das ist das Problem des SPD-Kanzlerkandidaten: Nur er muss gegen das Original antreten.

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