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02:18 02.08.2015
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Niemand sollte zur Tagesordnung übergehen, wenn zum Massenmord mit dem Maschinengewehr aufgerufen wird, jemand für ein Mädchen aus Syrien den Flammenwerfer angemessener findet als eine Dusche, andere sich das Konzentrationslager zurückwünschen oder gar die Gaskammer – so wie es derzeit im Internet geschieht.

Aber, mag man da einwenden, das sind doch nur Entgleisungen einzelner Idioten. Doch so leicht ist es nicht, obschon es sich zweifelsfrei um Idioten handelt. Es sind einfach zu viele. Im weltweiten Netz sind verbal längst die letzten Hemmschwellen gefallen. Und weil jeder neue Grenzübertritt von der einschlägigen Gemeinde gefeiert wird, lassen sich immer mehr von geistigen Brandstiftern zur konkreten Brandstiftung inspirieren. Gewiss: Wir haben es mit einer sehr kleinen Minderheit zu tun. Doch hat die ihr Gift bereits tief in die Venen der Gesellschaft gepumpt.

Auch aus deren Mitte tönen die gefährlichen Abers: Natürlich sei Gewalt nicht zu rechtfertigen. Aber es gebe zu viele Asylanten. Aber die brächten Probleme. Aber die wollten sich nicht integrieren. Aber die wollten nur unser Geld. Aber Überfremdung sei gefährlich.

Auch hier beginnt das Dilemma bei der Sprache: Wer nur noch von Asylanten spricht, steckt mit einem Bein schon im braunen Sumpf. Es geht um Menschen. Menschen, die außer ihrem Leben alles verloren haben. Und weil sie wenigstens das behalten wollen, sind sie zu uns gekommen – in der Annahme, sie würden hier Hilfe finden, nicht Hass. Ihnen diese Hilfe zu geben, gebietet die Menschlichkeit. Und wenn die hoffentlich wirklich übergroße Mehrheit nicht ihr Schweigen bricht, sich lautstark zu diesem Grundpfeiler unseres Gemeinwesens bekennt, dann stürzen wir wieder in den Abgrund, in den wir längst schauen – ein besorgtes Aber auf den Lippen.

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