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Die Berliner Montagskorrektur
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02:15 25.06.2015
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Am liebsten hätte man die heikle Angelegenheit gestern als Missverständnis eines übereifrigen Polizeibeamten am Flughafen Tegel abgetan. Nein, Deutschland werde den inhaftierten Journalisten Ahmet Mansur auf keinen Fall in sein Heimatland Ägypten abschieben, versicherte das Auswärtige Amt. Ja, Mansur werde umgehend auf freien Fuß kommen, teilte wenige Stunden später die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit. Die um Schadensbegrenzung bemühten Politiker und Behörden haben damit am Montag getan, was zu tun war: Sie haben klargemacht, dass von Deutschland kein Journalist in ein Land abgeschoben wird, das seine Kritiker mit fadenscheinigen juristischen Vorwürfen verfolgt – und das Todesurteile in Serie verhängt.

Ohne Makel aber kommt Berlin aus der Angelegenheit Mansur nicht mehr heraus. Es bleibt die Frage, warum der Al-Dschasira-Reporter überhaupt festgenommen wurde. Ein Missverständnis der Polizei jedenfalls war nicht der Grund. Nach allem, was man bislang weiß, lag gegen Mansur ein ägyptischer Haftbefehl vor. Und der muss, ebenso wie die Interpol-Meldung, über die Schreibtische deutscher Behörden gegangen sein. Hinzu kommt: Warum korrigierte man die Festnahme nicht gleich, sondern ließ zwei Tage verstreichen? Offenbar wurde der Vorgang auf die leichte Schulter genommen – mit bösen Folgen für das Deutschlandbild unter Oppositionellen in der arabischen Welt.

Und so reiht sich die stümpferhafte Festsetzung Mansurs ein in die diplomatischen Unzulänglichkeiten beim Besuch des ägyptischen Präsidenten al-Sisi Anfang Juni in Berlin. Damals blieb es dem Bundestagspräsidenten überlassen, Zweifel an der neuen Macht am Nil anzumelden. Die Regierenden übten sich in geschäftstüchtiger Freundlichkeit. Werteorientierte Außenpolitik sieht anders aus.

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