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Hamburg macht sich klein

Kommentar zum Olympia-Nein Hamburg macht sich klein

Die Mehrheit der Hamburger hat Nein zu Olympia gesagt. Eine der wohlhabendsten Städte des Kontinents traut sich also nicht zu, ein Sportfest für die Welt auszurichten. Das ist bei allem Respekt vor dem Ergebnis eine kleinmütige Entscheidung -  meint Chefredakteur Hendrik Brandt.

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Blick über Hamburg: Hier werden keine Olympischen Spiele stattfinden.

Quelle: www.mediaserver.hamburg.de/ Andreas Vallbracht

So kann es gehen in der Demokratie. Wer die Wähler über hoch komplexe Sachfragen direkt abstimmen lässt, muss damit leben, eine ganz einfache Antwort zu bekommen. In Hamburg lautete sie am Sonntag schlicht: Nein. Die Mehrheit derer, die Interesse an der Olympia-Abstimmung hatten, will nicht, dass sich die Stadt um die Austragung der Sommerspiele 2024 auch nur bewirbt.

Das ist bei allem Respekt vor dem Ergebnis eine kleinmütige Entscheidung. Sie zeigt, wie sehr sich die Republik in diesen unübersichtlichen Zeiten um sich selbst dreht - vor allem dort, wo es ihr besonders gut geht. Wie wenig Interesse und Freude sie noch an Gestaltung, Veränderung und auch Überraschung hat, sogar in so reichen Metropolen wie Hamburg oder München. In der bayerischen Landeshauptstadt wollten die Bürger 2013 keine Winterspiele haben, in Hamburg wird es nun keine Chance auf Sommerspiele geben. Man kann das mutig und widerständig nennen - oder aber auch ziemlich engstirnig und limitiert.

Eine der wohlhabendsten Städte des Kontinents traut sich also nicht zu, ein Sportfest für die Welt auszurichten. Es wird nun womöglich wieder in den USA oder gar in einer jener Diktaturen stattfinden, die weder auf ihre Bevölkerung noch auf die Umwelt irgendeine Rücksicht nehmen. Die intelligente, sanfte und die Stadt schonende Planung aus Hamburg kommt hingegen nicht zum Zug. Auch das haben die Wähler gestern mitentschieden.

Trotz des fast schon trotzigen Positiv-Votums aus dem kleinen Kiel trägt dieser Sonntagabend eine traurige Botschaft in die Welt: Mit Deutschland ist bei großen, weltumspannenden Sportereignissen erst einmal nicht mehr zu rechen. Eine weitere Bürgerbefragung wird sich auf Sicht niemand mehr antun. Wie schade. Wie klein.

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