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Hannover - an die Arbeit!

Hannover in 2015 Hannover - an die Arbeit!

Hannover hat viele Vorzüge und bekam im vergangenen Jahr auch viel internationale Anerkennung. Doch darauf darf man sich jetzt nicht ausruhen, wenn Hannover auch weiterhin eine liebenswerte Stadt bleiben soll. Eine Analyse von Felix Harbart.

Womit hat sich die Stadt in den letzten Jahren nicht alles geschmückt: Hannover durfte sich WM-Stadt nennen und „Hauptstadt der Biodiversität“, wurde Heimat der Ausstellung zu 300 Jahren Personalunion und feierte das zentrale Fest zum Tag der Deutschen Einheit. Zuletzt, das Knallen der Sektkorken ist noch nicht ganz verklungen, kürte die Unesco die Landeshauptstadt auch noch zur „City of Music“. Was auch immer das genau heißt. Im Rathaus freute man sich beflissen über den Imagegewinn und das ganze Bisschen nationaler Beachtung, die all das mit sich brachte.

Dabei schätzen die Hannoveraner ihre Stadt durchaus noch wegen anderer Qualitäten als nur ihrer Musikalität. Verschiedene Kaufkraftindizes unterstreichen den hohen Lebensstandard, gleichzeitig ist der Immobilienmarkt nicht so überhitzt wie anderswo. Zu Recht rühmt sich die Stadt ihrer hervorragenden medizinischen Versorgung, vieler Grünflächen und zahlreicher anderer Vorzüge. Das alles hebt Hannover nicht in den Rang einer Weltstadt, belegt aber, was die meisten Hannoveraner unbesehen unterschreiben würden: dass ihre Stadt ein guter Ort zum Leben ist. Damit das so bleibt, braucht es keine weiteren Titel unterschiedlichster Provenienz. Wichtiger wäre die Sicherung dessen, was diese Lebensqualität garantiert. Genau hier erwarten Stadt und Region 2015 die größten Herausforderungen.

Die Region arbeitet an einem Komplettumbau ihres Klinikums, um den Krankenhausverbund in kommunaler Trägerschaft halten zu können. Gleichzeitig will sich Regionspräsident Hauke Jagau mit Bürgern zusammensetzen, um dem enervierenden Dauerstreit um die Müllentsorgung ein Ende zu machen. In der Stadt suchen die Parteien nach dem richtigen Weg in der Wohnungsbaupolitik: Sie wollen verhindern, dass die Schere zwischen angesagten und abgehängten Stadtteilen noch weiter auseinandergeht. Gleichzeitig muss die Stadt ihre Anstrengungen bei der Kinderbetreuung fortführen, ihre Museen neu sortieren und mit sinkenden Gewerbesteuereinnahmen zurechtkommen. Allen Kommunen in der Region und ihren Bewohnern gemein ist die Herausforderung, insgesamt 5000 weiteren Flüchtlingen so etwas wie ein Zuhause zu bieten.

An all dem hängt, wenn es mal fertig ist, nicht viel Lametta. Es hat auch nicht die visionäre Strahlkraft des „Stadt- dialogs 2030“, den Oberbürgermeister Stefan Schostok ausgerufen hat und der eines Tages Ergebnisse liefern wird oder eben nicht. Umso wichtiger sind diese Projekte für die Zukunft der Stadt.

Die gute Nachricht in einem Jahr wie diesem, das für die Spitzen von Stadt und Region reich an Arbeit und vergleichsweise arm an repräsentativen Fototerminen zu werden verspricht, ist diese: 2015 ist kein Wahljahr. Es ist eines, in dem man lange Liegengebliebenes und dringend Notwendiges abarbeiten kann. Ohne Schaufensterdebatten. Bevor 2016 die Kommunalwahl kommt.

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