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Katastrophe in Zeitlupe

Klimawandel Katastrophe in Zeitlupe

Das gegenwärtige Leid auf der Welt enthebt uns nicht, die aktuellen Zahlen der Experten sehr ernst zu nehmen. Die Weltmeere haben die dauerhafte Erhitzung der Erde allenfalls gebremst, in den Ozeanen tickt eine Zeitbombe. Ein Kommentar von Harald John.

Hannover. Wieder eine Warnung vor dem Klimawandel. Haken dran, wir haben derzeit wirklich wichtigere Sorgen. Der Krieg unserer östlichen Nachbarn, die verheerende Ebola-Epidemie in Afrika, Terror allerorten. Was scheren uns da alarmistische Berichte der Vereinten Nationen vor zu viel Kohlendioxid in der Luft, vor übersäuerten Ozeanen, vor der Unumkehrbarkeit des Klimawandels?

Der Sommer war zuletzt kühl und verregnet, von Erderwärmung seit Jahren keine Spur. Leider enthebt uns das gegenwärtige Leid auf der Welt nicht, die aktuellen Zahlen der Experten sehr ernst zu nehmen. Die Weltmeere haben die dauerhafte Erhitzung der Erde allenfalls gebremst, in den Ozeanen tickt eine Zeitbombe. Der Säuregehalt ist offenbar auf einen neuen Rekordstand gestiegen, doch das werden Skeptiker lautstark anzweifeln. Denn der Klimawandel macht es denen, die alles für ökologische Hysterie halten, einfach. Die Katastrophe vollzieht sich zwar stetig, aber langsam. So langsam, dass es die Öffentlichkeit, die täglich von Schockmeldungen geschüttelt wird, ignorieren kann.

Derzeit ist nicht abzusehen, wie es den Wissenschaftlern gelingen soll, der Politik die Dringlichkeit von Gegenmaßnahmen zu vermitteln. Es gilt, Frieden zu schaffen, Armut zu bekämpfen und – angesichts der Renaissance des Nationalstaates – eigene wirtschaftliche Interessen abzusichern. Der Welt ist es nicht gelungen, in einer Phase von relativer Stabilität, steigendem Wohlstand und solidarischem Miteinander, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen. Wie das den Verantwortlichen der Weltgemeinschaft in dieser aufgeheizten und angsterfüllten Zeit gelingen soll, ist nicht absehbar. Auf dem Klimagipfel kommendes Jahr in Paris wollen Regierende einen neuen, für alle verbindlichen Fahrplan verabreden. Offenbar muss das Klima bis dahin noch deutlich schlimmer werden, bevor es vielleicht besser werden kann.

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