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Smartphone ist auch im Urlaub stets dabei Immer auf Empfang

Der moderne Mensch hat es schlicht verlernt, vollständig im Urlaub zu sein. Die iPhones werden, wenn es gut geht, stummgeschaltet am Pool und am Strand. Aber mal wirklich abschalten – das gelingt nur noch einer Minderheit.

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Auch im Urlaub sind viele immer auf ihrem Smartphone erreichbar.

Quelle: dpa

Die See ist blau, der Himmel auch, die Sonne scheint. Viele Urlauber, die in diesen Wochen an Europas Stränden in der Sonne schmoren, haben allerdings nicht nur Sonnenmilch und ein gutes Buch in der Strandtasche. Wenn man genau hinschaut zwischen den Sonnenschirmen und Liegen, entdeckt man immer wieder einige, die, und sei es nur in verstohlenen Momenten nach scheuem Blick zur Seite, etwas tun, was eigentlich nicht hierher gehört: Sie tippen auf ihren Smartphones herum.

Was meinen Sie?

Immer erreichbar, immer online - auch am Strand. Schalten Sie Ihr Smartphone im Urlaub aus?

Sie sind online. Man könnte auch sagen: Sie haben ein Problem. Der moderne Mensch hat es schlicht verlernt, vollständig im Urlaub zu sein. Die iPhones werden, wenn es gut geht, stummgeschaltet am Pool und am Strand. Aber mal wirklich abschalten – das gelingt nur noch einer Minderheit.

Ob es um Meldungen zur Weltlage geht, um Kurznachrichten auf Twitter, um Termine im nächsten Monat oder um eine eilige Anfrage per E-Mail:
72 Prozent der Berufstätigen sind laut Umfragen auch in ihren Sommerferien, den sogenannten schönsten Wochen des Jahres, permanent digital auf Empfang – und damit auch für den Arbeitgeber erreichbar.
Ärzte und Psychologen wünschen sich etwas anderes. Seit Jahrzehnten wird Arbeit in Deutschland immer mehr verdichtet, zudem wird immer mehr Flexibilität verlangt. Eigentlich müssten die Deutschen umso konsequenter ihre Freizeit nutzen und die digitale Kommunikation gezielt reduzieren. Doch in der Realität geschieht das Gegenteil, nicht zuletzt durch die so harmlos und spielerisch wirkenden Smartphones. Die WLAN-Cafés sind in manchen Urlaubsorten stärker frequentiert als die lokalen Sehenswürdigkeiten. 

Digitale Erreichbarkeit ist auf Dauer ungesund

Dabei ist die ständige digitale Erreichbarkeit auf Dauer ungesund. Der Rhythmus der modernen Echtzeitkommunikation lässt einen eigenen, kontemplativen Takt kaum noch zu. Wer im Urlaub ständig mit einem Ohr auf sein Telefon hört und nicht auf seine E-Mails aus dem Büro verzichten will, gibt, ohne dass er das sofort merkt, die Chance auf, sich wirklich zu entspannen und zu erholen. Forscher berichten von Reisenden, die in fernen Urlaubsregionen digital so eng vernetzt blieben mit ihren Kollegen zu Hause, dass der Urlaub zu Ende ging, bevor sie sich an die fremde Zeitzone angepasst hatten.

Warum ist das Abschalten so schwer? Kaum ein Arbeitgeber fordert ständige Erreichbarkeit tatsächlich ein. Immer mehr Firmen verbieten ihren Mitarbeitern mittlerweile sogar, nach Feierabend noch Mails zu bearbeiten – weil sie Angst um die Arbeitskraft ihrer Leute haben. In Wirklichkeit sind es die Urlauber selbst, denen die digitale Stille nicht geheuer ist. Weil sie Angst haben, etwas zu verpassen. Weil sie sich zu wichtig nehmen. Oder weil sie durch Dauerstress schon verlernt haben, mal ganz auf ihr analoges Ich reduziert zu sein. Der Urlaub bietet die einzigartige Gelegenheit, das neu zu üben. Abschalten beginnt nicht im Kopf, sondern am Knopf. Man muss ihn nur drücken. Bei einigen Geräten muss man ihn auch wirklich lange genug drücken. Und dann gegebenenfalls noch mal zur Bestätigung über das Feld streichen, in dem nicht „Abschalten“ steht, sondern ein noch kräftigeres Wort: „Ausschalten“.

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