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Immer auf Empfang IS auf dem Sprung nach Europa

Kommentar zum Kampf gegen den Terror IS auf dem Sprung nach Europa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Gefahr, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ausgeht, lange unterschätzt. Nach dem Attentat in der Grenzstadt Suruc muss er handeln. Ein Kommentar von Gerd Höhler.

Lange hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Gefahr, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ausgeht, unterschätzt und heruntergespielt. Erdogans Ziel war der Sturz des syrischen Despoten Baschar al-Assad, und da kam ihm der IS gelegen. Nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ ließ er die Dschihadisten gewähren. Verwundete IS-Kämpfer wurden in der Türkei sogar verarztet, ungestört konnte die Terrormiliz angeworbene Rekruten über die Türkei nach Syrien schleusen.

Und noch in einer zweiten Rolle war der IS der türkischen Regierung nützlich: Solange die Terrormiliz die Landstriche im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei kontrollierte, waren die Autonomiebestrebungen der syrischen Kurden in dieser Region zum Scheitern verurteilt.

Aber das Attentat in der Grenzstadt Suruc, bei dem am Montag ein IS-Selbstmordattentäter 31 Menschen mit in den Tod riss, war eine Kriegserklärung, die Erdogan nicht ignorieren konnte. Jetzt fliegt die türkische Luftwaffe Angriffe auf Stellungen des IS, und der US Airforce gestattet Erdogan endlich, die Militärbasis Incirlik für Einsätze gegen die Dschihadisten zu nutzen. Ob das hilft, sie in Schach zu halten, bleibt abzuwarten.

Denn wenn der IS jetzt seinen Krieg in die Türkei trägt, bekommt der Konflikt auch für Europa eine gefährliche neue Dimension. Der Terrormiliz geht es offensichtlich nicht mehr nur darum, die Türkei als Rückzugsraum, als Rekrutierungsbasis und als Transitland für die Einschleusung von Dschihadisten in spe aus westeuropäischen Ländern zu nutzen. Die Türkei ist die Brücke, die den Nahen Osten mit dem Balkan verbindet. Der Gedanke, dass die islamistische Terrormiliz auch dort Fuß zu fassen versucht, liegt nahe – und ist eine Schreckensvision für Europa.

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