Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
IS auf dem Sprung nach Europa
Nachrichten Meinung IS auf dem Sprung nach Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.07.2015
Anzeige

Lange hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Gefahr, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ausgeht, unterschätzt und heruntergespielt. Erdogans Ziel war der Sturz des syrischen Despoten Baschar al-Assad, und da kam ihm der IS gelegen. Nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ ließ er die Dschihadisten gewähren. Verwundete IS-Kämpfer wurden in der Türkei sogar verarztet, ungestört konnte die Terrormiliz angeworbene Rekruten über die Türkei nach Syrien schleusen.

Und noch in einer zweiten Rolle war der IS der türkischen Regierung nützlich: Solange die Terrormiliz die Landstriche im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei kontrollierte, waren die Autonomiebestrebungen der syrischen Kurden in dieser Region zum Scheitern verurteilt.

Aber das Attentat in der Grenzstadt Suruc, bei dem am Montag ein IS-Selbstmordattentäter 31 Menschen mit in den Tod riss, war eine Kriegserklärung, die Erdogan nicht ignorieren konnte. Jetzt fliegt die türkische Luftwaffe Angriffe auf Stellungen des IS, und der US Airforce gestattet Erdogan endlich, die Militärbasis Incirlik für Einsätze gegen die Dschihadisten zu nutzen. Ob das hilft, sie in Schach zu halten, bleibt abzuwarten.

Denn wenn der IS jetzt seinen Krieg in die Türkei trägt, bekommt der Konflikt auch für Europa eine gefährliche neue Dimension. Der Terrormiliz geht es offensichtlich nicht mehr nur darum, die Türkei als Rückzugsraum, als Rekrutierungsbasis und als Transitland für die Einschleusung von Dschihadisten in spe aus westeuropäischen Ländern zu nutzen. Die Türkei ist die Brücke, die den Nahen Osten mit dem Balkan verbindet. Der Gedanke, dass die islamistische Terrormiliz auch dort Fuß zu fassen versucht, liegt nahe – und ist eine Schreckensvision für Europa.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Smartphone ist auch im Urlaub stets dabei - Immer auf Empfang

Der moderne Mensch hat es schlicht verlernt, vollständig im Urlaub zu sein. Die iPhones werden, wenn es gut geht, stummgeschaltet am Pool und am Strand. Aber mal wirklich abschalten – das gelingt nur noch einer Minderheit.

Dirk Schmaler 28.07.2015
Meinung Kommentar zum Acht-Stunden-Tag - Wer bestimmt, wie wir arbeiten?

Flexiblere Arbeitszeitmodelle stehen sowohl bei Arbeitnehmern als bei Arbeitgebern hoch im Kurs. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wer bestimmt die Modalitäten? Eine Analyse von Jens Heitmann.

Jens Heitmann 26.07.2015

Nie hatte die CSU so wenig Einfluss, nie fand sie so wenig Respekt wie jetzt, im Sommer 2015, nach sieben Jahren Seehofer. Wenn Seehofer ausgerechnet in dieser Situation neue scharfe Töne gegenüber Asylbewerbern anschlägt, ist das makaber. Eine Analyse von Mathias Koch.

Matthias Koch 26.07.2015
Anzeige