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Meinung In Belgien scheitert die Freiheit
Nachrichten Meinung In Belgien scheitert die Freiheit
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02:15 26.11.2015
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In diesen Tagen hat der Terror Brüssel getroffen. Es war kein Anschlag nötig. Die Angst grassierte genug, um eine Millionenstadt stillstehen zu lassen. Man kann trefflich darüber streiten, ob zu viel Vorsicht nicht letztlich das Werk derer erledigt, die unsere Gesellschaft zerstören wollen.

Doch das ist, wenn man auf die Straße geht und nicht weiß, ob man unversehrt wieder nach Hause kommt, eine falsche Frage. Wenn der Quasi-Ausnahmezustand in dieser und jeder anderen Stadt beendet ist, wird man sich fragen: Wurde jemand verletzt oder sogar getötet? Solange die Antwort „Nein“ heißt, haben die Behörden vielleicht nicht alles, aber ganz sicher sehr viel richtig gemacht. Eine Shopping-Tour oder ein Fußballspiel kann man wiederholen, ein Leben nicht.

Brüssel kann derzeit nur reagieren. Für das Aufarbeiten der zurückliegenden Fehler, die misslungene Integration und den laschen Umgang mit Extremisten bleibt im Augenblick keine Zeit. Das muss nachgeholt werden. Doch jetzt ging es nur darum, die Menschen so gut wie eben möglich zu schützen.

Die Lehren aus diesen Anti-Terror-Tagen in Brüssel gehen sehr weit. Sie berühren nicht nur das Selbstverständnis eines zerborstenen Landes. Belgien hat in dem verzweifelten Versuch, unterschiedliche Bevölkerungsteile zusammenzuhalten, einen ineffizienten Dschungel an kommunalen Zuständigkeiten produziert und damit leider auch einen wehrhaften Staat zerstört. Wenn allein in Brüssel sechs verschiedene Polizeidirektionen 19 Gemeindebürgermeistern unterstehen, kann keine koordinierte Terrorabwehr funktionieren. Eine Landesregierung, der die Regionsverwaltungen bis hin zur inneren Sicherheit alle möglichen Kompetenzen abgerungen haben, kann sich nicht wehren.

Brüssel zeigt wie im Brennglas, was dabei herauskommt, wenn man Kräfte nicht bündelt, sondern zersplittert. Das ist eine Lehrstunde auch für Europa, wo die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden ebenfalls so tun, als würden deren Feinde Grenzen beachten. Der Zynismus, mit dem der gesuchte Top-Terrorist Salah Abdeslam sich mit seiner Bewegungsfreiheit in dieser EU brüsten konnte, solle ein Warnsignal für alle sein, die glauben, Sicherheit ließe sich praktisch von allein schaffen.

Hinzu kommt eine Lehrstunde über die Konsequenzen einer fehlenden Arbeitsmarktpolitik für junge Menschen. Es ist falsch, dies auf die Frage der Integration zu begrenzen. Für die radikalen Botschaften der Islamisten sind nicht nur Zuwanderer empfänglich.

Viele, die im zerrissenen Land ohne Perspektive, ohne Job, ohne Wohnung, ohne Zukunft ihr Leben bestreiten müssen, werden anfällig. Für Gewalt, für radikale Politik, für Irrwege. Auch das zeigen die Brüsseler Erfahrungen, die sich nicht nur auf einen Stadtteil eingrenzen lassen. Belgien, seine Nachbarn, Europa - sie alle haben noch sehr viel aufzuarbeiten.

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