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In Brüssel lacht die Atomsonne noch

Kommentar In Brüssel lacht die Atomsonne noch

Die EU-Kommission in Brüssel fordert mehr Zusammenarbeit bei der Erforschung, Finanzierung und beim Bau von Atomreaktoren. Während Deutschland aus der Kerntechnologie aussteigt, vertrauen Frankreich, Belgien und Großbritannien weiter darauf. Ein schlüssiges Konzept aus Brüssel für ganz Europa gibt es nicht. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

Atomkraft? Ja, bitte! So lautet der Wille der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde fordert erneut mehr Zusammenarbeit bei der Erforschung, Finanzierung und beim Bau von Reaktoren. Die verstärkten Anstrengungen sollen Europas Technologieführerschaft im Nuklearbereich verteidigen. „Wie bitte?“, fragen nun viele und schimpfen darüber, dass die Kommission weiterhin auf eine Technologie mit unkalkulierbaren Kosten und Risiken setzt.

In der Empörung geht jedoch ein wichtiges Detail unter: Ja, der Atomausstieg ist Konsens – in Deutschland. Mit der Energiewende beschreitet Berlin ziemlich allein neue Wege. Andere EU-Staaten hingegen, zum Beispiel Frankreich, Belgien und Großbritannien, vertrauen weiterhin auf Kernkraft.

Für die traditionell atomfreundliche Kommission ergibt sich daraus ein Dilemma: Die Art seiner Energieversorgung kann jeder Staat für sich entscheiden, doch zugleich soll aus Europa eine Energie-Union werden – ein einheitlicher Energiebinnenmarkt, der die Abhängigkeit des Kontinents von russischem Gas mindert und den CO2-Ausstoß in der EU stark verringert. Bislang hat die Kommission kein schlüssiges Konzept vorgelegt, mit dem sich aus dieser disparaten Ausgangslage bei der Energieversorgung so anspruchsvolle politische Ziele erreichen ließen.

Auch die jetzt diskutierten 
Forschungsprioritäten im Bereich der Atomkraft dürften dazu wenig beitragen. Zwar sind für die Sicherheit im Nuklearbereich keine Kosten und Mühen zu scheuen. Strategisch sollte es dabei aber um Forschung zur sicheren Stilllegung von Atomkraftwerken und zur Müllentsorgung gehen. Die Vorschläge der EU-Kommission erwecken jedoch den Eindruck, dass eine aufgrund niedriger Strompreise und hoher Baukosten stark unter Kostendruck geratene Branche gepäppelt werden soll.

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