Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Ja zu Griechenland, Ja zu Frankreich

Kommentar zur Sondersitzung des Bundestag Ja zu Griechenland, Ja zu Frankreich

Am Freitag verhandelte der Bundestag nicht nur über die Zustimmung zu Hilfen für Griechenland - sondern auch über Deutschlands Rolle in Europa. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

Die Sondersitzung des Bundestags trug den Titel „Stabilitätshilfe zugunsten Griechenlands“, und dementsprechend viel war von Griechenland die Rede. Von den Unzulänglichkeiten der griechischen Politik, der Verwaltung, des Rentensystems und auch von den harten Auflagen, zu denen sich die Griechen nun verpflichtet haben.

Doch die Sorgen der Redner aus den Regierungs- und Oppositionsfraktionen kreisten nicht nur um die Zukunft der Griechen in Europa. Das Unbehagen, das viele Abgeordnete schon im Vorfeld dieser Sitzung beschlichen hatte, speiste sich nicht nur aus den hohen Geldsummen, um die es bald wieder gehen wird. Es ist auch Ausdruck des Haderns mit der eigenen Rolle. Am Freitag verhandelte der Bundestag Deutschlands Rolle in Europa.

Die Brüsseler Nacht von vergangenem Sonntag hat offenbart, wie weit die deutschen und die französischen Vorstellungen von dem, was Europa sein soll, auseinanderliegen. Der raue Plan des Bundesfinanzministers für einen zeitweisen Euro-Austritt Griechenlands prallte auf den unbedingten Willen des französischen Präsidenten, das Land in der Währungsunion zu halten. Auch Italiener und Luxemburger machten deutlich, wie wenig ihnen die Vorstellung von einem tonangebenden Deutschland behagt. In dieser Nacht erschien Berlin nicht als kooperative, sondern als konfrontative Macht in Europa, und plötzlich gingen EU-Gründerstaaten auf Abstand. Das hat viele erschreckt, und der Schrecken wirkte am Freitag im Bundestag noch nach. Als Sigmar Gabriel Frankreichs Führungsrolle im Euro-Streit lobte, nickte Angela Merkel heftig; alle sollten es sehen.

Das deutsche Ja zu den Kreditverhandlungen mit Griechenland beruht vor allem auf der Überzeugung, dass die Bundesrepublik nicht von der Seite ihres engsten Verbündeten weichen darf.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neue Regierung in Athen
Foto: Der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos (links) redet mit Premierminister Alexis Tsipras während der Vereidigung der neuen Minister.

Die Kritiker aus den eigenen Reihen sind weg, der griechische Ministerpräsident hat eine neue Regierungsmannschaft. Schon in der kommenden Woche stehen die nächsten Reformen an. Der ehemalige Finanzminister Varoufakis spricht von "Kapitulation".

mehr
Mehr aus Meinung