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Meinung Keine Panik vor der Apotheke
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02:15 22.10.2016
Von Jens Heitmann
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Deutschlands Apotheker sind stolz: auf ihre Tradition, ihre Leistung – und nicht zuletzt auf ihre Lobbyarbeit in Berlin. Um so heftiger war der Schock im Jahr 2011, als damalige der Gesundheitsminister Philipp Rösler mit seinem „Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz“ zuallererst die Preistreiberei der Pharmaindustrie stoppen wollte. Die Nebenwirkungen spürten auch die Apotheker in ihrer Kasse: Ein Mix aus Zwangsrabatten und Abschlägen kostete Umsatz und Gewinn.

Seither agieren ihre Interessenvertreter vorsichtiger und entschlossener zugleich. Hinter den Kulissen ist es ihnen gelungen, die Einbußen zu minimieren und die Einkommen wieder auf das gewohnte Niveau zu heben: Im aktuellen Arzneimittelgesetzentwurf von Union und SPD steht eine satte Honorarerhöhung um 100 Millionen Euro. Dass der Europäische Gerichtshof das – nach Rösler – wieder so überaus harmonische Miteinander von Politik und Pharmazeuten auf die Probe stellen könnte, wollten sie lange nicht wahrhaben. Die Gefahr eines Wettbewerbs gegen ihren Willen hielten die Apotheker für gebannt.

Vor vier Jahren hatte der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes entschieden, dass für verschreibungspflichtige Medikamente immer die fixen deutschen Apothekenabgabepreise gelten – auch wenn sie von Versandapotheken mit Sitz in einem anderen EU-Mitgliedsstaat an Endkunden geschickt werden. Der Gesetzgeber schrieb die Regel sogar formvollendet noch ins Arzneimittelgesetz. Die richterlichen Kollegen in Luxemburg scherte das nicht: Sie haben diese Preisbindung gestern kurzerhand gekippt.

Die Empörung der Apotheker folgte auf dem Fuße: Um „ungezügelte Marktkräfte“ an der Entfaltung zu hindern, müsse die Politik umgehend aktiv werden – und notfalls den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneien komplett verbieten, verlangen sie. So viel Panik vor möglicher Konkurrenz ist schon deshalb erstaunlich, weil die meisten Apotheker den Wettbewerb bisher gut überstanden und zu ihrem Vorteil genutzt haben. 

Seit der Arzneiversandhandel 2004 zugelassen wurde, ist die Zahl der Apotheken nur um ein halbes Prozent gesunken. Muss eine Apotheke schließen, liegt das nicht am Versandhandel, sondern oft genug am Strukturwandel: Kleine Filialen mit wenig Umsatz tun sich schwer – zugleich steigt die Zahl der Pharmazeuten, die mehr als nur eine Apotheke betreiben. 

Auch als zwischenzeitlich das Fremdbesitzverbot für Apotheken infrage stand, haben ihre Interessenvertreter den Untergang der Branche beschworen – statt großer Ketten gibt es jetzt viele kleine. Den Kunden ist das ebenso egal wie der Streit um den Versandhandel.

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