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Wer mehr Geld will, muss mehr leisten

Kommentar zur Kita-Beiträgen Wer mehr Geld will, muss mehr leisten

Hannovers Eltern sollen mehr für die Kitas bezahlen – aber was bekommen sie dafür? Die Stadt muss auch die Bedingungen in den Kitas und Krippen verbessern. Kleinere Gruppen und mehr Personal sind unabdingbar, meint Saskia Döhner.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Salzgitter kann es. Dort müssen Eltern keine Beiträge für den Kindergartenplatz bezahlen. In Hannover stoßen Elternvertreter mit dieser Forderung bei der Stadt auf Granit. Stattdessen sollen sie ab August 2017 sogar noch mehr bezahlen. Eine Familie, die jetzt für ein Kind den Höchstsatz von 244 Euro plus 30 Euro Essensgeld im Monat für einen Vollzeitplatz bezahlt, muss künftig insgesamt 335 Euro aufbringen.

Ist das fair? Kommt drauf an, wen man fragt. Der Kita-Stadtelternrat will freie Plätze für alle – in Krippen, Kindergärten und Horten. Sein Hauptargument: Der Schulbesuch sei ja auch kostenlos.

Dagegen kann man halten, dass es ja eine Schulpflicht gibt, nicht aber eine Pflicht zum Kindergarten- oder Krippenbesuch, wobei nahezu alle Kinder vor der Schule tatsächlich in eine Kita gehen. Nicht umsonst raten Experten, gerade Kinder aus ärmeren Familien möglichst früh in die Kita zu schicken, um ihnen bessere Bildungschancen zu ermöglichen und Defizite von zu Hause auszugleichen. Für fast die Hälfte der Kita-Kinder in Hannover ist der freie Platz ohnehin schon längst Realität, denn ihre Eltern zahlen außer den 30 Euro Essensgeld pro Monat nichts. Andererseits zahlen weitere 44 Prozent der Familien den Höchstsatz. Die Gebührenerhöhung würde sie besonders treffen.

Zwischen nichts und viel liegt die Mitte. In die fallen derzeit gerade einmal 9 Prozent der Eltern. Sie bezahlen einen mittleren Beitrag. Von Mitte kann bei dieser Marge eigentlich kaum die Rede sein. Da ist im rot-grünen Gerechtigkeitsstreben etwas gehörig aus der Balance geraten. Ob die Stadt jetzt eine bessere Spreizung hinbekommt? Am Ende wird es nur eine Beitragsordnung für die Hälfte der Kita-Eltern sein, 50 Prozent bleiben beitragsfrei, weil ihr Einkommen zu gering ist.

Tatsächlich kostet ein Kita-Platz viel mehr, als die Elternbeiträge einbringen. Nach Angaben der Stadt kostet der Platz für ein Krippenkind etwa 13.060 Euro pro Jahr, für ein Kindergartenkind sind es 7200. In beiden Fällen decken die Elternbeiträge nur ein Fünftel der tatsächlichen Kosten ab.

Sind 300 Euro im Monat wirklich zu viel für acht Stunden Betreuung mit Mittagessen, Unterhaltungsprogramm und pädagogischer Frühförderung? Erzieher üben mit den Kindern zählen, anziehen, Schleife binden und malen. Sie basteln, lesen vor und trösten. Viele Kinder sehen ihre Erzieher tagsüber deutlich länger als ihre Eltern.

Zu Recht mahnen die Eltern allerdings dringend notwendige qualitative Verbesserungen in den Krippen und Kindergärten an. Die dritte Fachkraft pro Gruppe ist längst überfällig, nicht nur in den Krippen, wo die Ein- bis Dreijährigen betreut werden, sondern auch in den Kindergärten für die Älteren. Wenn sich zwei Erzieher um 25 Kinder kümmern müssen, können sie zwangsläufig nicht alle im Blick haben. Wenn sie aber zu beschäftigt sind und gar nicht merken, dass Kinder gehänselt oder von anderen malträtiert werden, kann das in der Seele von Vierjährigen viel Schaden anrichten.

Die Kita-Gebühren-Staffelung muss gerechter und übersichtlicher werden, vielleicht nicht nur nach oben hin, um die Besserverdienenden mehr in die Pflicht zu nehmen, sondern auch nach unten. Wer 30 Euro Essensgeld zahlen kann, dem sind auch weitere 10 Euro Grundgebühr zuzumuten.

Im Gegenzug aber sollten auch die Bedingungen in den Kitas verbessert werden, mit kleineren Gruppen, mehr Personal, mehr Zeit für Vorbereitung, Weiterbildung und Leitung, aber auch mit mehr Ruhe für die Kleinsten. Eine ordentliche räumliche Ausstattung ist dafür Grundvoraussetzung.

Seit Jahren wird im Kultusministerium über ein neues Landes-Kita-Gesetz nachgedacht. Es wäre höchste Zeit, jetzt endlich einmal brauchbare Ideen zu präsentieren.

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