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Kinds Antwort heißt: mehr Martin Kind

Kommentar zu Hannover 96 Kinds Antwort heißt: mehr Martin Kind

Martin Kind gibt bekannt, das Fußball-Profigeschäft nun wirtschaftlich allein zu beherrschen. Er setzt damit ein Signal: Seine Antwort auf die Fehler und die Zögerlichkeiten der Vergangenheit heißt nicht Strukturwandel. Nicht behutsamer Rückzug mit Blick auf die langfristige Planung. Sondern schlicht: mehr Martin Kind.  Eine Analyse von Hendrik Brandt.

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Alleinherscher bei Hannover 96: Martin Kind.

Quelle: dpa/Treblin/Montage

Hannover. War es Absicht oder einfach nur eine Ungeschicklichkeit im Zeitablauf? Kurz nach einer lebhaften Mitgliederversammlung des Hannoverschen Sportvereins von 1896 gibt Präsident und Großinvestor Martin Kind bekannt, das Fußball-Profigeschäft nun wirtschaftlich allein zu beherrschen. Er tut das nebenbei, an einem sonnigen Feiertagvormittag, ohne groß jemanden zu fragen. Weil er es will, weil er es kann.

Was treibt diesen Martin Kind des Frühjahrs 2016? Vor einigen Tagen ist er 72 Jahre alt geworden, er blickt auf eine atemberaubend erfolgreiche Karriere als Unternehmer zurück, hat nach bürgerlichen Maßstäben längst alles erreicht. Nebenbei hat er den Profifußball des Traditionsvereins Hannover 96, von dem Ende der Neunziger Jahre kaum mehr als der Name und ein paar verblichene Wimpel geblieben waren, mit Mut, Netzwerk-Arbeit und viel eigenem Geld aus der Pleite in die schillernde Sport-Realität des 21. Jahrhunderts geführt. Und zugleich wichtige Pflöcke für die Arbeit des klassischen Sportvereins eingeschlagen. Ohne Kind wäre es nie so gekommen. Viele, sehr viele wären mit einer solchen Bilanz zufrieden.

Martin Kind ist es nicht. Die kühle Übernahme der 96-Anteile seines immer eher als Platzhalter gehandelten Partners Detlev Meyer zeigt: Kind tut, was er am besten kann - er greift an. Und nimmt weniger Rücksichten als je zuvor. Dabei geht es nicht vorrangig um Verpflichtungen und Verflechtungen in irgendeiner Kapitalgesellschaft. Es geht um ein Signal.

Was meinen Sie?

Martin Kind hat ein Signal gesetzt: Er will das Sagen bei Hannover 96 behalten. Wie finden Sie das?

Kind muss wissen, dass es nicht immer nur an den Fehlentscheidungen seiner Mitarbeiter gelegen hat, wenn 96 in den letzten Jahren strauchelte. Oder dass die Profimannschaft jetzt trotz eines nie gekannten Aufwandes in der Fußball-Bundesliga im Wortsinn deklassiert wird. Irgendwer hat all die Geschäftsführer, Manager, Trainer, Sportdirektoren, Kaderplaner oder was der Titel mehr sind verpflichtet. Je dominanter der Chef ist desto mehr Blicke richten sich eben auch auf ihn. Kind kennt das, geschreckt hat es ihn selten. Seit Donnerstag ist klar: Seine Antwort auf die Fehler, die Zögerlichkeiten, die neuen Probleme des Abstiegs heißt nicht Strukturwandel etwa mit einer Führung in professionellen Fachteams. Nicht behutsamer Rückzug mit Blick auf die langfristige Planung. Sondern schlicht: mehr Kind. Mein Unternehmen, meine Entscheidungen.

Das nötigt einerseits Respekt ab; es irgendwie laufen zu lassen wäre wahrlich einfacher. Hier zeigt sich klassisches Unternehmertum mitten in der Krise. Andererseits kann dort das Problem liegen: Spitze Hierarchien, wie Kind sie lebt, finden offenbar nicht immer die besten Lösungen für den professionellen Fußball mit all seinen rationalen und irrationalen Facetten - Hannover 96 kennt das auch. Immer mehr Proficlubs haben finanzkräftige Eigner, aber im Tagesgeschäft treten sie immer seltener in Erscheinung. Sie werden wissen warum.

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