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Kommentar zu David Cameron Klartext auf Englisch

David Cameron hat keine Millionen auf Südsee-Konten versteckt. Der britische Premier hat, soweit bisher bekannt, nichts Gesetzeswidriges getan. Dass ihm seine einstige Beteiligung an dem legalen Offshore-Fonds seines Vaters dennoch zum Verhängnis werden kann, liegt an Camerons miserabler Kommunikationspolitik.  Ein Kommentar von Marina Kormbaki. 

Vier Statements in fünf Tagen: erst mauern, dann abstreiten, schließlich das Eingeständnis. Cameron hat seiner Glaubwürdigkeit großen Schaden zugefügt – ausgerechnet zu einer Zeit, in der einzig und allein Glaubwürdigkeit zählt.

Cameron will, dass die Briten am 23. Juni für den Verbleib in der EU stimmen. Er führt das leidenschaftslose Lager der Proeuropäer an. Schüchtern und kleinmütig argumentieren sie mit den Risiken, denen ihr Land bei einem EU-Austritt ausgesetzt wäre. So eine Angstkampagne mobilisiert natürlich keine Massen. Daher ruhten alle Hoffnungen der EU-Befürworter bisher auf der Beliebtheit ihres Premiers. Indem Cameron nun in der Affäre um Offshore-Konten seine Glaubwürdigkeit untergräbt, verliert er auch an Überzeugungskraft in der Brexit-Debatte. Zwar leugnet der Premier hier einen Zusammenhang und hat damit theoretisch recht.

Aber die vergangene Woche hat gezeigt, dass in der Praxis alles mit allem zusammenhängt: Cameron war nur mit Selbstverteidigung beschäftigt und kam nicht dazu, für den Verbleib seines Landes in der EU zu trommeln. Wie fatal es jedoch sein kann, wenn der Regierungschef eines Staates ein energisches Werben für sein proeuropäisches Anliegen unterlässt, hat jetzt der Triumph der niederländischen EU-Gegner bei der Volksabstimmung zum EU-Abkommen mit der Ukraine gezeigt. Will Cameron sein Land in der EU und sich auf dem Premierposten halten, sollte er schnell und sauber die Kontoaffäre abräumen und lautstark „Yes“ zu Europa sagen.

Von Marina Kormbaki

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