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Bis zum Schulfrieden ist es noch ein langer Weg

Leitartikel Bis zum Schulfrieden ist es noch ein langer Weg

Der Posten des Kultusministers ist einer der schwierigsten. Grant Hendrik Tonne will vieles richtig machen. Aber er darf sich nicht nur um die Abschaffung von Kita-Gebühren kümmern.

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Quelle: Julian Stratenschulte/Symbolbild

Hannover. Zu den Traumjobs gehört der des Kultusministers in Niedersachsen gewiss nicht. Trotz eines großen Apparates, trotz vieler Gestaltungsmöglichkeiten, einer guten Pension und eines passablen Dienstwagens. Deshalb haben sich SPD und CDU nicht gerade um das Kultusministerium gerissen, das jahrzehntelang im schulpolitischen Grabenkrieg eine besonders begehrte Protestadresse war. Und deshalb ist Grant Hendrik Tonne (SPD), der als neuer Kultusminister jetzt seine Ziele erläutert hat, nicht zu beneiden. Ihm widerfuhr, was allen seinen Vorgängerinnen und Vorgängern geschah: Seine kleine Regierungserklärung erntete keinen übermäßigen Jubel. Auch wenn er den Schulfrieden ausgelobt hat.

Doch zu diesem Frieden wird es in Niedersachsen nicht so schnell kommen, weil ein paar zentrale Fragen noch nicht geklärt sind. Etwa, woher die 1000 neuen Lehrer kommen sollen, die das Land versprochen hat. Niedersachsen, reich an landschaftlicher Vielfalt, ist bei ausgebildeten Lehrern nicht so gefragt, weil sie hier kein Weihnachtsgeld mehr bekommen. Das hat einst eine Landesregierung unter Christian Wulff den Beamten im gehobenen und höheren Dienst gestrichen. Auch ist die Frage der Arbeitszeit der Lehrer noch nicht endgültig geklärt, an der Tonnes Vorgängerin Frauke Heiligenstadt letztlich gescheitert ist. Hier müsste der neue Mann, der ohne Frage fleißig und mit politischem Feeling gesegnet ist, sich etwas einfallen lassen.

Tonne hat in seiner Ideenskizze den Beschluss hervorgehoben, bereits im kommenden Jahr den Eltern die Zahlung von Kindergartengebühren abzunehmen. Das ist zweifellos ein verdienstvoller Akt der Mittelstandsförderung, aber noch keine Kultuspolitik im engeren Sinn. Denn eine Verlagerung der Kostenfrage auf das Land und auf die Kommunen schafft noch keinen pädagogischen Mehrwert. Dabei ist angesichts der Tatsache, dass immer mehr Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind und sie an öffentliche Einrichtungen abgeben, dringend ein neues Konzept gefordert. Dieses kann aber nur in einer Aufwertung des Erzieherinnen- und Erzieherberufes bestehen. Gebührenfrei, modern und von hoher Qualität müsse die Bildung sein, hat Tonne gesagt. Das Qualitätsproblem ist ihm offenbar bewusst.

Zu den großen Ungerechtigkeiten des Bildungssystems zählt auch, dass diejenigen, die später wenig verdienen werden, oft viel für ihre Ausbildung zahlen müssen, etwa Erzieherinnen oder Logopäden. Auch hier liegt ein dickes Brett vor dem neuen Minister, das zu bearbeiten wäre. Immerhin hat er im Vergleich zu seinen Vorgängern mit der Großen Koalition einen Vorteil. Mit Bernstein gesprochen: Die größten Kritiker der Elche sind jetzt selber welche.

Von Michael B. Berger

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