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Das Rigoletto-Dilemma

Kommentar Das Rigoletto-Dilemma

Jeden Sommer glänzt Hannover mit der Freilichtoper vor dem Rathaus. Nun aber ist die Fassade kaputt – machen wir jetzt einen schlechten Eindruck? Zeit, alle Optionen durchzugehen, meint Felix Harbart.

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Quelle: Rainer Droese

Hannover. Eine der schönsten Veranstaltungen Hannovers droht in diesem Jahr nicht ganz so schön zu werden wie sonst. Weil die Sanierung der Rathausfassade bis Sommer nicht beendet sein wird, muss die Freilichtaufführung von Rigoletto Stand heute im Schatten eines gewaltigen Baugerüstes stattfinden. Das wäre nicht schlimm, aber unschön wäre es schon. Zum einen lebt die Veranstaltung ganz wesentlich vom Ambiente, zum anderen haben sowohl der ausrichtende NDR, als auch die Stadt ein Interesse an einer gelungenen Fernsehübertragung. Und die wird durch ein Baugerüst zweifelsohne geschmälert. Es ist ein Dilemma.

Man kann nun kritisieren, dass die Stadt recht optimistisch war, als sie dem NDR vor Monaten zugesagt hat, die Arbeiten würden bis Juli beendet sein. Vielleicht war sie auch gleichgültig oder fahrlässig. Diese Diskussion aber hilft jetzt nicht mehr. Was hilft, ist, darüber nachzudenken, was man nun tut.

Erstens: Man baut das Gerüst für die Dauer der Veranstaltung ab. Das klingt gut und wäre wohl auch dem NDR am liebsten, hätte aber viele Nachteile. Zum einen ist es teuer, rund 500.000 Euro - Kosten, die weder die Stadt, noch der NDR tragen wollen. Zum anderen wäre eine Fassade, die laut Gutachtern zu 70 Prozent kaputt ist und an der gearbeitet wird, wohl auch nicht so telegen, wie man das gerne hätte.

Zweitens: Man spannt eine Folie vor das Baugerüst. Das sähe vermutlich besser aus, womöglich könnte man für die Besucher auf den Maschparkwiesen sogar die Aufführung auf die Folie projizieren. Nachteil Nummer eins: Auch so eine Folie wird nicht umsonst zu haben sein. Nachteil Nummer zwei: Schön ist auch anders. Und Nummer drei: Für eine Fernsehübertragung ist diese Variante laut Experten denkbar ungünstig, weil eine Folie unangenehme Lichtreflexionen produziert - gerade, wenn man es zuerst mit Tageslicht, dann mit Dämmerung und am Ende mit Dunkelheit zu tun hat. Der NDR soll von der Idee nicht begeistert sein.

Drittens: Man zieht auf den Trammplatz. Schön daran: Man hätte das Rathaus im Hintergrund. Das war’s dann aber auch. Der Friedrichswall müsste gesperrt und eine neue Logistik für die Veranstaltung entworfen werden. Vor allem aber wäre der Charme der Veranstaltung verloren: Bierbänke und Picknickdecken auf Beton? Das will keiner - außer den Grünen, die genau das diese Woche vorgeschlagen haben. Bleiben zwei Möglichkeiten. Die eine: Die Freiluftoper zieht für ein Jahr nach Herrenhausen. Der Charme des erprobten Ortes spräche dafür, Werbung für eine andere Facette Hannovers wäre es auch. Allerdings ist unklar, ob ein solcher Umzug überhaupt noch zu schaffen wäre. Die Planung für die erste Oper im Maschpark dauerte viele Monate, inzwischen sind das Verlegen jedes Kabels und der Anfahrtsweg jedes Lkw eingeübt. In Herrenhausen müsste all das neu entstehen - das wäre nicht nur zeitaufwendig, sondern auch kostspielig. Außerdem lebt die Freiluftoper vom Wiedererkennungswert des Rathauses.

Letzte Variante: Man lässt alles so, wie es ist. Und lebt damit, dass im Fernsehen ein Rathaus zu sehen ist, das saniert wird. Das wäre keine Werbung für Hannover und den Fernsehschaffenden ein Graus. Andererseits: Wird nicht der Kölner Dom durchgehend saniert?

Interessant ist, mit wie viel Engagement und wenig Häme die Diskussion geführt wird, in Leserbriefen etwa. Das zeigt, wie wichtig die Freiluftoper für Hannover geworden ist. Es braucht also eine tragfähige Lösung für dieses Jahr - und eine heile Fassade im nächsten.

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