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Der lange Weg 
zum Job

Kommentar Der lange Weg 
zum Job

Drei Viertel der rund 300.000 Flüchtlinge auf Jobsuche haben keine Ausbildung, viel noch nicht einmal einen Schulabschluss. Aber die Qualifikation und Integration hat schon einmal geklappt: Bei den drei Millionen Aussiedlern der 80er- und 90er-Jahre. Nun ist die Politik gefragt. Eine Analyse von Andreas Niesmann.

Die Zahlen sind frustrierend. Drei Viertel der rund 300.000 Flüchtlinge auf Jobsuche haben keine Ausbildung, ein Viertel von ihnen hat noch nicht mal einen Schulabschluss. Auf dem Arbeitsmarkt sind diese Menschen bestenfalls als Hilfskräfte gefragt. Und davon gibt es schon unter deutschen Arbeitslosen mehr als genug. Es ist also wenig überraschend, wenn in einer aktuellen Umfrage unter Managern und Spitzenpolitikern die allermeisten Befragten Flüchtlingen so gut wie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt einräumen. Behielten sie recht, würde gerade ein neues Heer an Dauerempfängern von Sozialleistungen heranwachsen.

So weit darf es nicht kommen. Wer sagt denn, dass Unqualifizierte ohne Qualifikation bleiben müssen? Dass sie nicht lernen können oder wollen? Der deutsche Arbeitsmarkt hat es mehrfach geschafft, größere Zuwanderer-Gruppen in Lohn und Brot zu bringen. Rund drei Millionen Aussiedler kamen in den 80er- und 90er-Jahren in die Bundesrepublik. Russlanddeutsche hießen sie im Volksmund und galten am Stammtisch als Schläger und Säufer. Tatsächlich gab es zunächst große Probleme – mit Gewalt und Jugendkriminalität. Sprachkenntnisse waren in der jüngeren Generation kaum vorhanden, die Schul- und Ausbildung weit unter deutschem Niveau.

Und heute? Sind Aussiedler im Schnitt nicht häufiger arbeitslos als Menschen, die seit Generationen in Deutschland leben. Ihre Kinder sind ähnlich erfolgreich an Schulen und Universitäten wie die anderer Bevölkerungsgruppen, ihre Integration gilt als Erfolgsgeschichte.

Wahr ist, es hat lange gedauert. Wahr ist auch, dass es bei Flüchtlingen aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum noch länger dauern wird. Das Einleben in die neue Kultur, das Lernen der Sprache, die Bewältigung der großen Flüchtlingszahlen – das alles kostet viel Zeit. Und Geld: für Sprachkurse, Aus- und Weiterbildungen, für eine intensive Betreuung. Hier ist Politik gefordert. Noch immer gibt es zu wenige Integrationskurse, noch immer vergeht zu viel Zeit, ehe die Entscheidung über eine Bleibeperspektive fällt. Zur Wahrheit gehört auch: Ohne Einsatzbereitschaft der Flüchtlinge wird es nicht gehen. Denn es gibt auch die Geschichte vom Handwerksmeister, der es immer wieder mit Flüchtlingen probiert hat und jedes Mal frustrierter wurde, wenn sie nicht mehr zur Arbeit kamen. Wer dauerhaft in Deutschland bleiben will, darf nicht nur Leistungen empfangen wollen, er muss auch bereit sein, sie zu erbringen.

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