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00:18 03.04.2018
Kann eine (Rück-)Besinnung auf das Christentum helfen? Zu Ostern liegt der Gedanke nah. Quelle: imago/epd (Symbolbild)
Hannover

 Die Zeiten sind unübersichtlich – und die Suche nach Orientierung treibt langsam komische Blüten. Nachdem etwa jemand in dieser Karwoche entdeckt hatte, dass ein Schoko-Osterhase im Kassensystem des Handelskonzerns Rewe als „Traditionshase“ hinterlegt war, gab es kein Halten mehr. Die einen sahen im Verzicht auf das Wort „Ostern“ einen weiteren Beleg für den Untergang des christlichen Abendlandes – und die anderen entdeckten in dieser Reaktion wiederum das Werk von Fundamentalisten, die ihnen ihre Freiheit rauben wollten. Wie auch mit dem Tanzverbot am Karfreitag, dem Glockenläuten und der Religion überhaupt. Dass so ein Schokohase mit dem christlichen Osterfest so viel zu tun hat wie Schnee mit dem Hochsommer und viele der angeblich Tanzwütigen seit Jahrzehnten freitags zu Hause auf dem Sofa sitzen, spielte hier wie dort keine Rolle. Egal auch, dass Rewe die Schokohasen seit 1992 so nennt. Es ging um gar nichts. Außer ums Rechthaben, um die Selbstvergewisserung in der jeweiligen Ecke der Gesellschaft. Hier sind wir, wir wissen, was stimmt – und ihr nicht.

Der alberne Streit illustriert die Nervosität eines verunsicherten Landes. Digitalisierung, Zuwanderung, soziale Verdriftung und manches mehr haben ein Klima geschaffen, in dem nicht mehr jeder Halt findet. In dem der stille Konsens der Mitte bröckelt und die Ränder stärker werden – und jeder beim andern sofort Skandale wittert. Oft gelingt zwischen diesen kommunikativen Schützengräben gar kein Dialog mehr. Langsam wird das gefährlich. 

Kann hier eine (Rück-)Besinnung auf das Christentum helfen? Zu Ostern liegt der Gedanke nah. In der Zeit vom Palmsonntag bis zum Ostermorgen steckt schließlich das ganze Leben – mit vielen Botschaften, die letztlich zusammenführen, vielleicht sogar versöhnen könnten. Doch ein Blick auf unsere österliche Wirklichkeit zwischen „Car-Friday“, Osterfeuer und Feiern aller Art zeigt schnell: So einfach wird das nichts mehr. Auch das Osterwunder der Christen ist zum gesellschaftlichen Randthema geworden. 

Es hilft also nichts: Was unsere Gesellschaft ausmacht, was sie im Kern zusammenhält, wird sich auf andere Weise wieder klarer herausbilden müssen. Und das ist vielleicht auch gar nicht so kompliziert. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sich wieder alle an die Regeln halten würden, die etwa das Grundgesetz und ein paar andere Verabredungen als Zentrum des Miteinanders vorgeben. Sie nun auch mit mehr Mut zu verteidigen, wenn sie wie derzeit von innen wie von außen unter Druck kommen – das wäre ein Schritt. Die Religion hat hier ihre historische Rolle, aber sie bestimmt nicht das heutige Spiel. Keine Religion übrigens. Das wird nicht jedem gefallen, aber nur in dieser Freiheit kann eine neue Einheit wachsen. Das wird Arbeit machen – und sich lohnen.

Von Hendrik Brandt

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