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00:16 27.03.2018
Von Mathias Klein
Quelle: Symbolbild/dpa

Überfüllte Warteräume, endlose Wartezeiten, gestresstes Pflegepersonal und Ärzte sowie uniformierte Wachleute, die für Ruhe und Ordnung sorgen müssen: Der Ton ist rauer geworden in den Notaufnahmen hannoverscher Krankenhäuser. Das liegt nicht daran, dass die Zahl der Verletzungen oder schweren Erkrankungen zugenommen hätte. Im Gegenteil: Notfälle muss man hier oft suchen.

Stattdessen sind die Notaufnahmen voller Patienten, die mit Wehwehchen ins Krankenhaus gehen, deretwegen andere noch nicht einmal einen Arzt konsultieren würden. Da sind die Eltern, die mit einem Kind, das seit einer Stunde eine Körpertemperatur von 37,7 Grad hat, das Kinderkrankenhaus Auf der Bult ansteuern. Und ein Notfallmediziner aus einer anderen Klinik berichtet von Patienten, die für ihre Schnittwunden eigentlich nur ein Pflaster gebraucht hätten. 

Gleichzeitig mit dem erhöhten Andrang sind die Ansprüche der Patienten gestiegen. Jeder will sofort drankommen, egal, ob nebenan gerade ein Schwerverletzter oder ein Patient mit Herzinfarkt behandelt wird. Und wenn es nicht schnell genug geht, dann wird der ein oder andere auch mal laut oder sogar handgreiflich. 

Das alles sind Ergebnisse einer Fehlentwicklung, die man lange hingenommen hat. Krankenhäuser werden immer häufiger zu Lückenbüßern für die eigentlich zuständigen Bereitschaftsdienste der Ärzte. Weil die Ärzte außerhalb der Praxiszeiten kein ausreichendes Versorgungsangebot für Notfälle haben, landen mehr Patienten als nötig in den Notaufnahmen. Ein weiteres Problem: Solange die Zahl der Landärzte immer weiter abnimmt, orientieren sich die Patienten vom Lande im Zweifel ebenfalls bei akuten Krankheitsfällen eher in Richtung einer großen Klinik. 

Das Problem lässt sich nicht mit Appellen an die Einsicht der Patienten beheben. Für Entspannung könnten aber sogenannte Portalpraxen niedergelassener Ärzte sorgen. Zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein hat man damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Praxen sind in der Nähe von Krankenhäusern angesiedelt. Alle Patienten gehen zunächst dorthin und werden hier in Notfälle und leichte Erkrankungen getrennt. Der Bundesrat diskutiert, ob diese Portalpraxen rund um die Uhr arbeiten dürfen. 

Das wäre ein richtiger Schritt. Denn wichtig ist vor allem, dass in den Notaufnahmen den wirklichen Notfällen schnell und konzentriert geholfen werden kann. Wenn dafür Wachleute nötig sind, ist das eine traurige Entwicklung. Doch im Zweifel müssen wir uns auch damit abfinden. Denn es geht nicht um Befindlichkeiten, sondern um das Retten von Menschenleben.

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